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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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609
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Stromverzweigung,

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Wirkung die Folge ist; der Körper ist neutral, unelektrisch.Ist die durch seine Atome ausgeübte Kraft die überwiegende, so ister positiv, im anderen Falle negativ elektrisch. Man kannalso das positive Zeichen auf Ätherüberschuß, das negative aufÄthermangel deuten. Solange die Phänomene der statischenElektrizität zur Diskussion stehen, läßt sich mittelst dieser Vor-stellungen eine ganz gute Einsicht in die Verhältnisse erzielen,aber die Notwendigkeit, sich den unwägbaren Zwischenstoff nichtbloß schwingeud, sondern auch fließend zu denken, wie es beimÜbergange zum Galvanismus nicht umgangen werden kann, erregtmancherlei Bedenken. Allgemein gebilligt ist die EdlundscheHypothese jedenfalls nicht worden.

Die Jugendgeschichte der Elektrodynamik brachte uuserachter Abschnitt. Das Ohmsche Gesetz hatte allen Anzweiflungengegenüber und diese arteten mitunter zu Nörgeleien ausseinen sieghaften Weg gemacht, und je tiefer man in das Wesender Phänomene eindrang, welche sich beim Durchflusse der Elek-trizität durch ein wie immer beschaffenes Drahtsystem einstellten,stets reichte der einfache Lehrsatz aus, die Thatsachen qualitativund quantitativ cinwurfsfrei darzustellen. Im Jahre 1847 bahntenG. R. Kirchhoffs auch methodisch hervorragende Arbeiten überStromverzweigung eiue nene Epoche an. Der Schließungs-draht ist hier nicht mehr eine einzige geschlossene Linie, sonderner wird an einzelnen Stellen durch mehrere Äste ersetzt, und dagilt dann die Regel: Die Stromstärken in den Zweigen ver-halten sich zu einander umgekehrt wie deren Widerstände.Man sagt auf englisch , daß eine Abzweigung, welche von der kürzestenVerbindungslinie der Verzweigungspuukte ziemlich weit abweicht, ein8liuut" sei, wofür sich die deutsche Bezeichnung Nebenschlußempfiehlt; führt man in diesen den Meßapparat ein, so kann einsolcher, der zunächst nur für schwache Ströme berechnet war, anchweit stärkeren genügen. Hierauf beruht die Konstruktion der durchvielfach gewuudeue, dünne Drähte charakterisierten Spannungs-messer oder Voltmeter, welch letzteres Wort uicht mit dem aufein ganz anderes Moment, nämlich die Stromstärke, abzielendenVoltameter verwechselt werden darf; ein eigentlicher Strommesser

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 39