622 XVI. Licht, Magnetismus u, Elektrizität in der 2. Hälfte d. Jahrhunderts.
erkannt hatte, auf jenes Problem hin, und bei den dazu angestelltenVorversuchen verfiel dieser darauf, jene elektrischen Wellen, dienach der Maxwellschen Theorie den Raum erfüllen müssen,wirklich zu objektivieren, ihr Dasein dem Auge oder Ohre zu-gänglich zu machen. Ältere Versuche v. Bezolds (1870), sowieO. I. Lodges (geb. 1851) aus dem Jahre 1879 und G. F. Fitz-geralds (geb. 1851) aus annähernd gleicher Zeit erkennt Hertz(„Untersuchuugeu über die Ausbreitung der elektrischen Kraft",Leipzig 1892) als mit seinen eigenen nahe verwandt und vomgleichen Geiste erfüllt an, aber erstens war durch sie doch nichtganz das gleiche Ziel erreicht worden, und zweitens hatte derKarlsruher Physiker — er ist später nach Bonn übergesiedelt, woihm sreilich nicht mehr lange zu wirken vergönnt war — vonjenen früheren und gleichzeitigen Bestrebungen keinerlei Kenntnis.Auch Feddersens Experimente über den oszillatorischen Charakterder Funkenentladung gehören der Vorgeschichte der großen HertzschenEntdeckung an, aber während dort in der Sekunde uur einige100000 Schwingungen ausgeführt wurden, handelte es sich jetztum Oszillationen, von denen 30 bis 450 Millionen auf die Sekundeentfallen. Das neue Moment der elektrischen Resonanz, diein ihrer Art ganz dem bekannten akustischen Phänomene zu ver-gleichen ist, gewährte ein Hilfsmittel, die minimalen Fünkchen anden Unterbrechungsstellen der Leitung so zu verstärken, daß siedeutlich sichtbar und zur Bestimmung der Länge der elektrischenWellen brauchbar wurden. Bringt man nämlich den sekun-dären Leiter dem primären nahe, so gerät sozusagen auch inersterem die Elektrizität in Bewegung, und nun giebt es eineempirisch aufzufindende günstigste Größe des sekundärenDrahtkreises, welche die Fünkchen besonders kräftig macht.So ist also, um iu der musikalischen Analogiesprache fortzufahren,ein Leiter geradezu auf den anderen abgestimmt, was nicht ge-schehen könnte, wenn nicht das, was uns als Elektrizität geläufigist, in Wirklichkeit ein Vibrationsprozeß wäre. In Konsequenzdieser jetzt feststehenden Thatsache ersetzte Hertz den zuerst an-gewandten längeren Draht durch einen kürzeren, frei in der Luftendigenden. Wenn nunmehr wieder der sekundäre Leiter heran-