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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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626
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626 XVI. Licht, Magnetismus u, Elektrizität in der 2. Hälfte d. Jahrhunderts.

Versaleil elektrischeil Schwingungen fortpflanzen, gerade so wie wirdies vom Lichte wissen. Die neueste systematische Darstellung derElektrooptik fiudeu wir in Eberts uns bekanntem Werke.Nachdem die Differentialgleichungen für einen elektromagne-tischen Kraststrahl aufgestellt sind, wird die Art dieser Strahlung.als eine transversale erkannt und die Fortpflanzungsgeschlvindig-keit der entsprechenden Wellen bestimmt, wobei sich die wichtigeWahrheit ergiebt, daß der Brechuugsindex, ius Quadraterhoben, die Dielektrizitätskonstante liefert. Dispersion,Absorption lind Doppelbrechung treten uns als einfache Korollariender Grundgleichungen entgegen. So wird es denn der elektro-magnetischen Lichttheorie zweifellos auch gelingen, eine auf-fallende Spektralerscheinnng sich einzugliedern, welche seit 1897als Zeemansches Phänomen viel von sich reden gemacht hat.Bringt man Flammen, in denen ein Metall verglüht, in ein starkesMagnetfeld, so ändert sich spektrvskopisch der Charakter der vonder Flamme ausgesandten Schwingungen. Die Linien werdengespalten, und die beiden so resultierenden Linien erweisen sich alskreisförmig, und zwar mit entgegengesetztem Drehsinne, polarisiert,falls das entsandte Licht die Richtung der Kraftlinien einhält,wogegen, wenn die Richtungen beider senkrecht zu einander stehen,sogar eine noch intensivere Spaltung die Folge ist. Zunächstwurde dies bei der Natriumflamme beobachtet, allein es ist wohljeder Zweifel darüber ansgeschlosfen, daß man es da mit einergenerellen magnetischen Beeinflussung der Spektrallinien zu thun hat.Im Jahre 1897 gleich hat sich W. Koenig eingehend mit dieserErscheinung beschäftigt. Zwei der allerumfassenden Energieformen,Licht nnd Elektrizität, sind also beim Schlüsse des Jahrhundertsin derart iuuige Wechselbeziehung gelangt, daß mau mit vollstemRechte in beiden nur Äußerungen ein und derselben beherrschendenNaturkraft erblicken darf, denen gegenüber sich nur das mensch-liche Auffassungsvermögen verschieden verhält? iu uns selbstund nicht objektiv in der Natur liegt der Grund derVerschiedenheit. Daß es sich aber so verhalte, wird uns umso einleuchteuder, wenn wir uns gegenwärtig halteil, daß seit un-gefähr fünfzehn Jahren ganz neue, früher nicht einmal geahnte