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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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628
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628 XVI. Licht, Magnetismus u, Elektrizität in der 2. Hälfte d. Jahrhunderts.

Drahtenden Träger der Erscheinungen war, den treffenden NamenKathodenstrahlen einführte. Er wies nach, daß eine so be-queme Interpretation derselben im Sinne der kinetischen Gastheorie,wie sie Crookes für angezeigt gehalten hatte, unerlaubt und daßauch das von den Kathodenstrahlen durchdrungene Feld durchauskein so enge begrenztes sei, wie sein Vorgänger angenommen hatte,daß vielmehr, wenn nur die Verdünnung weit genug getrieben sei,der Strahlungsprozeß sich bis in die normalen Lichtbüschel hineinfortsetze, welche die Anode umgeben. Der allerdings schon vonPlücker gehegten Idee, es möge wohl eine direkte Los-trennung und Überführung feinster Metallteilchen inMitte liegen, gab W. F. Gintl (geb. 1843) bestimmteren Aus-druck, und I. Puluj (geb. 1845) bildete bald nachher (Diestrahlende Elektrodenmaterie und der sogenannte vierte Aggregat-zustand", Wien 1883) diese neue Emanationstheorie, wegenderen wir eben obeu sagen durften, daß Newtons Emissions-hypothese wahrscheinlich zu neuem Leben werde erweckt werden,weiter aus, indem er dieselbe zn Edlunds Äthertheorie in engsteBeziehung setzte. Allerdings regte E. Wiedemann zu Beginn derachtziger Jahre mit jedenfalls beachtenswerten Gründen die Fragean, ob nicht doch am letzten Ende die Kathodenstrahlenals wirkliche Lichtstrahlen betrachtet werden dürften, aberA. Schuster ist 1884 wieder zur korpuskularen Auffassung über-gegangen. Daß den mysteriösen Strahlen eine namhafte Dis-persion zukomme, bewiesen 1896 Wiedemann und Ebert; diechemische Wirkung von Licht- und Kathodenstrahlen hinwiederummuß nach den Versuchen von R. Abegg als verschieden angenommenwerden. Bezüglich der Magnetablenkung, deren erste Konstatiernngwohl auf Hittorf (1869) zurückgehen möchte, wurde vou Hertz(1883) und einige Jahre später von PH. v. Lenard (geb. 1862) einesehr zu weiteren Studien anregende Thatsache erniert: Der Magnetverändert zwar die Richtung der Kathodenstrahlen, nichtaber bringen diese irgendwelche Ablenkung eiues beweg-liche» Magneten zuwege. Von Hertz wurde die Vermutungausgesprochen, daß es auch unter den Kathodenstrahlen große Ver-schiedenheiten gebe, die aber dnrch stetige Übergänge ausgeglichen