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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Die Kathodenstrahlen.

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seien, ebenso wie die verschiedenen Farbenstrahlen des Lichtes unter-einander zusammenhängen. Damit märe möglicherweise auch zuvereinigen v. Leuards Entdeckung von 1894, daß keiue absoluteÜbereinstimmung von Kathodenstrahlen und strahlenderMaterie besteht. Ebenso weiß man seitdem, daß auch dieAuodenstrahlen ihre Besonderheiten besitzen. Nach v. Lenardwerden diese Strahlungsphäuvmene durch die Entladung zwarausgelöst, sind aber im übrigen von ihr unabhängig; der 23. Ab-schnitt wird uns Gelegenheit geben, die geophysikalische Bedeutnngdieser ueueu Auffassung des Sachverhaltes zu würdigen, indemman neuerdings auch das Polarlicht als das Glimmlicht einesvon Kathodenstrahlen erregten Gases gelten lassen will. Über dielichtelektrische Erregung, die A. Righi (geb. 1855) im Jahre1888 zuerst wahrgenommen zu haben angiebt, wird weiter untennoch zu sprechen sein; genauer ist sie 1889 durch die beiden Wolsen-bütteler Physiker I. Elster (Abschnitt XIX) und H. Geitel untersuchtworden, die sich in einer Weise, die in der Geschichte der Wissen-schaft beinahe als ein Unikum dasteht, zu gemeinsamer Arbeit,vorwiegend auf dem Gebiete der Luftelektrizität, aneinander-geschlossen haben, und 1890 trat W. Hallwachs in eben diesesForschungsfeld ein. Die Schichtung desKathodenlichtes", be-treffs deren eine unleugbare Analogie des letzteren und des 1862von E. Reitlinger (18301882) auf diese Eigenschaft geprüftenelektrischen Lichtes obwaltet, wurde Untersuchnngsobjekt von Hertz(1883) und E. Goldsteiu (1897). Die Erklärung des so entstehen-den dunklen Kat Hodenraumes hat letzterem Physiker zufolge indem Sinne zu erfolgen, daß es außer den gewöhnlichen, direktenKathodenstrahlen noch eine zweite, zu diesem Strahlenbündel senk-recht stehende Strahlengattung giebt, und daß eine Deflexion,die zwischen beiden Gattungen sich ergiebt, die Bildung lichtfreierRäume im Gefolge hat. W. Kaufmann will seinerseits (1900)an einen Zusammenstoß der wandernden Ionen denken, derihrer Wiedervereinigung vorhergehen müßte.

Eine große Menge unbezweifelter Wahrheiten, schwankenderErklärungen und noch völlig ungelöster Rätsel ist uns, wie obigesummarische Zusammenstellung zeigt, in der Spanne Zeit zugeführt