Riientgens X-Strahlen.
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gange des elektrischen Fnnkens ausgesetzte Röhre verhüllte. Wurdedaun das Beobachtungszimmer verdunkelt und ein Fluoreszenz-schirm den durch den Karton gegangenen Strahlen in den Weggestellt, so leuchtete der Schirm auf, sobald der Strom passierte,einerlei welche Seite der Platte, die mit der Paste bestrichene oderdie freie, zuerst getroffen worden war. Auch Staniolblätter,Holzklötze, dicke Bücher erwiesen sich als durchgängig für jeneStrahlen, denen ihr Entdecker die erwähnte Bezeichnung beilegte,weil sie sich eben so ganz anders als eigentliche Lichtstrahlenmanifestierten, die aber seitdem durch stillschweigendes Übereinkommender Fachleute den Namen Roentgenstrahleu empfangen haben.Eine Ablenkung des Magneten ließ sich durch dieselben nicht er-zielen, was eben ans eine gewisse innere Verschiedenheit von denKathodenstrahlen hindeutet. Roentgen selbst hat seine Strahlennach den verschiedensten Seiten hin auf ihre Übereinstimmung oderNichtübereinstimmung untersucht, und in stets wachsender Mengehaben ältere und jüngere Gelehrte sich an dieser lockenden Thätigkeitbeteiligt. Schon 1896 bemerkten Winkelmann und R.Sträubet,daß die Roentgenstrahleu, wenn sie auch durch fluoreszierende oderphosphoreszierende Medien sichtbar gemacht werden, keine direkteFluoreszenzwirkung ausüben. Eine gewisseDiffraktiou scheintdnrch M. Maiers und I. Prechts Versuche festgestellt zu sein,aber die Brechbarkeit ist zum mindesten außerordentlich gering,und selbst beim Diamanten, mit dem K. A. Voller (geb. 1842)und B. Walter manipulierten, trat keine eigentliche Refraktionzn Tage. Hat man es mit einer Wellenbewegung zu thuu, sobesitzen nach L. Fomm diese Wellen wenigstens nur eine sehr kleineLänge, wenigstens fünfzehnmal kleiner als die kürzeste Wellenlängeeines ultravioletten Strahles. Fr. Richarz wies nach, daß sichein Dampfstrahl nicht gleich giltig gegen die ihn treffendenX-Strahlen verhält, was dazu nötigen könnte, das Auftreten vonIonen in der Luft anzunehmen. Voller und Walter haltendafür, daß den rätselhaften Strahlen der Rang einer selb-ständigen Energieform eingeräumt werden müsse, indem dieUmwandlung der elektrischen Strahlungs- in Wärmeenergie auf-höre und durch eine bis dahin unserer Sinneswahrnehmung entzogen