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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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632 XVI. Licht, Magnetismus u. Elektrizität in der 2. Hälfte d, Jahrhunderts.

gewesene Offenbarung der Energie Ersatz geboten werde? E.F.Dorn(geb. 1848) ist der Ansicht, daß die Energie der Roentgen -strahlen weit hinter derjenigen der Kathodenstrahlenzurückstehe. Noch weiß man nicht mit absoluter Bestimmtheit,ob das Auge gar keine Einwirkung seitens der in Rede stehendenStrahlen erleidet, und Beobachtungen, die Dorn und G. Brandesfürs erste an einer der Linse entbehrenden Person, hernach aberauch an normalsichtigen Menschen anstellten, lassen eher einepositive Auslegung als das Gegenteil zu. Theoretisch laßtsich noch nichts irgendwie Zuverlässiges über Roeutgens großeEntdeckung aussagen; die sehr nahe liegende und von Kettelerverteidigte Vermntung, daß ein longitudinaler Schwingungs-vorgang zu postulieren sei, will sich mit anderen Erwägungen,wie sie insonderheit von Winkelmann vorgebracht worden sind,nicht recht vereinbaren lassen.

Gleich ein Jahr später, also 1896, trat der Entdeckung derNoentgenstrahlen eine höchst merkwürdige Konkurrenzentdeckang zurSeite, uämlich die der Becquerelstrahlen. A. H. Becquerel(geb. 1852), durch seine Studien über Phosphorographie des infra-roten Spektrums bereits vorteilhaft bekannt geworden, lehrte unsseit 1896 die von phosphoreszierenden Körpern aus-gehenden unsichtbaren Strahleu kennen und stellte eifrigstalle die Substanzen zusammen, welchen diese Befähigung derStrahlenemission zukommt. Uranoxydstrontium, Zinksnlfid,Schwefelkalium, Schwefelbaryum, gewisse Wolframite undKohlenwasserstoffe gehören zu diesen Materien, und da Uran-glimmer die Strahlnng besonders begünstigt, so spricht man auchwohl kurzweg von Uranstrahlen. Alle diese Strahlen gehenanstandslos dnrch Papier und Gelatine hindurch und können inähnlicher Weise, wie die ihnen zweifellos verwandtschaftlich zu-gethanen Noentgenstrahlen, zum Aufleuchten gebracht werden.Neuestens freilich sind manche Angaben über diese Strahlen wiederunsicher geworden.

Seit 1894 steht auch noch eine weitere Klasse von Schwingungs-erscheinungen zur Diskussion, und letztere ist ohne Aufhören ge-pflogen worden. Den Einfluß des ultravioletten Lichtes