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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Drahtlose Telegraphie.

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einer Schicht von Hanfgarn durch Asphaltiernng verbunden ist.Das gewaltige Gewicht des Gesamtkabels, welches bei der erstenLegnng 4000 Tonnen wog, bedingt natürlich, wenn sich der Aktdes Herablassens vollzieht, eine gewisse Gefahr des Zerreißens;doch ist die Folge eines solchen immerhin unerquicklichen Zwischen-salles nicht mehr eine so schlimme, wie sie dies früher war, indemdie mühselige Prozedur des Wiederauffischens des versunkenenTeiles und des Zusammenspleißens beider Stücke schon zum öfterenglücklich von statten ging.

Eine ganz originelle Art des Nachrichtengebens dnrch denelektrischen Strom hat in den letzten Jahren die Forscher ange-legentlich beschäftigt, nämlich die drahtlose Telegraphie, anchFunkente legrap hie genannt. Wie bedeutsam dieselbe im Kriegewerden kann, braucht nicht auseinandergesetzt zn werden; sie würdeweitaus die gewiß auch geistvoll kombinierte Heliographie über-treffen, welche die Engländer dem Gaußschen FeldmesserapparateHeliotrop nachgebildet und bereits in zahlreichen Kolonialkriegenzu erfolgreicher Anwendung gebracht haben. Erwogen war dieMöglichkeit einer solchen Korrespondenz schon mehrfach worden,aber die Verwirklichung der Pläne scheiterte stets, und erst dieHertzsche Entdeckung der elektrischen Wellen verhalf zueiner Lösung der Aufgabe,' die schon ganz hübsche Erfolgegezeitigt hat und weitere in nahe Aussicht stellt. Es war derjunge Turiuer Polytechniker Marconi, der mit geschickter Aus-uützung der Hertzschen Methoden das leistete, was sich I. W. Gintl,R. van Nees (17971875), K. L. Schwendler (18381882),der Theoretiker der sogenannten Duplex- oder alternierendenTelegraphie, und noch manche andere zum Ziele gesetzt hatten,ohne zu diesem durchzudringen. Wir erwähnten vorhin der Ar-beiten Branlys, der in einer mit äußerst fein verteilten: Metall-pulver teilweise gefüllten Röhre,Kohärer" genannt, eines derempfindlichsten Reagentien für elektrische Wellen nachgewiesenhatte. Der sonderbare und wenig deutliche Name soll anzeigen,daß die lockeren Metallsplitterchen durch die Welleu kohärent ge-macht, gewissermaßen verkittet werden; die unsichtbaren, winzigenFünkchen, welche durch eine solche Unzahl von Unstetigkeitsstellen

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 41