644 XVI. Licht, Magnetismus u, Elektrizität in der 2. Hälfte d, Jahrhunderts.
physikalischen Kabinette, wie das phonetische Rad (1875) desDänen P. la Cour (geb. 1846) und eben desselben Vorschlag,dnrch eine größere Anzahl von Stimmgabeln, die sich gleichabständigin die Telegraphenleitung zwischen zwei Orten eingeschaltet finden,die Fortleitung von Klängen besorgen zu lassen, und man bliebso von einer praktischen Ausgestaltung der Telephonie noch weitentfernt. Der deutsche Generalpostmeister und StaatssekretärH. v. Stephan (1831—1897), dem es recht eigentlich zn dankeuist, wenn das Deutsche Reich in der Ausbildung dieses öffentlichenDienstzweiges die Spitze genommen hat, ließ nach amtlichen Quelleneine sehr vollständige „Geschichte und Entwicklung des elektrischenFernsprechwesens" (Berlin 1880) bearbeiten, die uns recht deutlichzeigt, wie schwer es oft ist, richtige Jdeenverbindungeu zur Thatwerden zu lassen. Denn dieser Schrift zufolge hat Ch. Bour-seilles, Unterinspektor des französischen Telegraphenweseus, schon1854 das Wesen der elektrischen Tonübertragung mit voller Klar-heit formuliert, ohne das Instrument, dessen Plan er im Geistemit sich herumtrug, wirklich ausführen zn können.
Da schuf ganz unerwartet die Erfindung des AmerikanersA. G. Bell (geb. 1847) Wandel. Derselbe war vom Phonetikernnd Taubstummenlehrer erst als dreißigjähriger Mann in dieLansbahn des Elektrikers übergetreten, und er ist es, der schon1874 das neue Telephon erfand, wenn sich auch erst vou 1877an die Kunde von der Erfindung verbreitete; 1878 folgte danndas Photophou nach. Andere Amerikaner — E. W. Blake(geb. 1836). F.W.Clarke (geb. 1847), B.O.Peirce (geb. 1854) u.a.-mußten noch mit Bell zusammenwirken, bis endlich das Telephondie heute jedem Städter geläufige Form bekam, so daß also Dem,der den Schallvermittler an sein Ohr legt, die Stimme desSprechenden auch uach der individuellen Klangfarbe znm Bewußt-sein kommt. Bell läßt die Schallwellen eine dünne Eisenscheibe inSchwingungen versetzen, und da in der Nähe ein freier Magnetstabangebracht ist, so ist dessen Ladung eine größere oder geringere,je nachdem sich das schwingende Scheibchen in geringerer odergrößerer Entfernung von ersterem befindet. Eine den Stab um-gebende Drahtspule nimmt induzierte Magnetelektrizität auf, und