Das Telephon.
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Zerlegung der Luft in ihre Bestandteile Sauerstoff und Stickstoffzuwege zn bringen, nnd der auch sonst von chimärischen Znkunfts-phantasien keineswegs frei war, trat dem Plane akustisch-elektrischerMitteilung näher, blieb aber (1860) bei der bloßen Fortsenduugvon musikalischen Tönen stehen. Ein Telephon, welches ge-sprochene Worte durch eine Drahtleitung fortpflanzte, wurde zuerst1860 durch Philipp Reis (1834—1874) zustande gebracht; seindankbarer Geburtsort Geluhausen hat ihm dafür 1885 ein Denkmalgesetzt. Die Verdienste des zeitweise ganz vergessen gewesenen, be-scheidenen Mannes haben K. Th. Petersen (geb. 1836) und Sil-vanus Thompson der Mit- und Nachwelt ins Gedächtnis zurück-gerufen. Der Ton geb er des natürlich noch etwas primitivenReisschen Apparates ist ein Holzkasten, dessen Deckel eine rundeLffnung ausweist, und diese wird von einer elastischen Membraneverschlossen. Letztere trägt in ihrer Mitte ein aufgekittetes Platin-plättchen, an welches ein dünner Metallstreifen leitend angeklemmtist, während ein kurzer Platinstist so angebracht ist, daß er beimSchwingen der gespannten Haut von der mitschwingenden Platteberührt wird. Hierdurch öffnet und schließt sich in rascher Folgeder galvanische Stromkreis, der mit dem Tongeber in Verbindungsteht. In das Kästchen mündet ein Schallrohr, in welches manhineinspricht, und da die Schallwellen Luft und Membran zumOszillieren bringen, so korrespondiert Öffnung und Schluß desStromkreises mit dem Pulsieren der Stimme. In den Schließungs-kreis ist nun aber anch der Tonwiedergeber eingeschaltet, einResonanzboden mit ausgesetzter Nadel, um die sich ein spiraliggewundener Kupferdraht herumlegt. Gesungene oder angeblaseneTöne werden durch diesen Originalapparat leidlich gut wieder-gegeben, Worte weit minder deutlich, weil ein eigentümliches Knarrendas Gehör empfindlich beeinträchtigt. Praktisch blieb also nochviel zu wünschen übrig, nnd auch das zweite Modell, welches derFrankfurter Arzt Th. Clemens 1863 herstellte, und welches be-reits die Magnetindnktion verwertete, blieb weiteren Kreisen sogut wie unbekannt. Auch die Stimmgabelte legraphie vonC. F. Varley (1828—1833) und van der Weyde, für die sich
sogar Edison lebhaft interessierte, blieb ebenso ein Annex der
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