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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
659
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Nadwjkopie: Psychophysik.

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die Historie der anorganischen Naturwissenschaft obliegt. Wirmeinen die Radioskopie, die Anwendung der Röntgenstrahlenauf die Sichtbarmachung des menschlichen Knochengerüstes imDienste der Chirurgie. Auch dem Feruerstehenden ist die hoheBedeutung dieses Mittels, mit dem Auge Dinge zu erkennen, derenErmittlung vor kurzem noch Sache einer scharfsinnigen und dochzweifelhaften Diagnostik war, überraschend klar gemacht wordendurch den Portrag, welchen der berühmte Berliner ChirurgE. v. Bergmann (geb. 1836) vor dem Plenum der MüncheuerNaturforscherversammlung (1899) hielt. Man kann daraufhinsagen, daß iu der ersten freudigen Aufwallung über einen so ge-waltigen Erkenntuisfortschritt wohl ab und zu allzu viel von denX-Strahlen verlaugt ward, uud daß vielmehr das Bereich,innerhalb dessen dieselben ihre Kraft entfalten können,ein ganz bestimmt umschriebenes ist. In diesem Rahmenjedoch sind ihre Leistungen großartige, und so wie kein Kranken-haus heute mehr eines nach allen Regeln der Technik eingerichtetenradioskopischeu Beobachtuugsraumes entbehren darf, wenn es aufder Höhe stehen will, so werden jetzt auch schon unseren Kriegs-heeren bequem aptierte Apparate dieser Art in das Feld mit-gegeben, um zumal den Sitz von Kugeln im Fleische und die Artder Zerreißungen und Frakturen mit einer Schärfe feststellen zukönnen, die vor wenigen Jahren noch als unmöglich gegolten hätte.

Es braucht kaum darauf aufmerksam gemacht zu werden, daßzwischen den Anwendungen der Physik auf die ficht- und greifbarenVorgänge im organischen Körper und denjenigen, die in derPsychophysik eine Rolle spielen, zahlreiche Fäden hin- und her-laufen. Gelegentliche Angaben, die sich psychophysikalisch inter-pretieren lassen, findet man selbstverständlich in der ganzen Litte-ratur verstreut, allem erst durch das die Sonderung der vorliegendenEinzelthatsachen bewirkende Werk G. Th. Fechners (Elementeder Psychophysik", Leipzig 1860; 3. Auflage 1889) wurde, zugleichmit dem ueuen Namen, eine Begriffsbestimmung des juugeuWissenszweiges ermöglicht, und man konnte demselben an derGrenzscheide zwischen Physik und Psychologie die ihm gebührende

Stellung anweisen. Man hat sich nicht bei Fechners Festsetzungen,

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