Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
661
Einzelbild herunterladen
 

Weber-Fechnersches Gesetz,

661

Gesetze. Von dem Leipziger Anatomen E. H. Weber , der unsseiner Zeit als Mitarbeiter seines Bruders Wilhelm bei derAbfassung derWellenlehre" begegnet ist, erschien 1852 in denBerichten der k. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften einebahnbrechende Untersuchung (Über den Raumsinn und die Empfin-dungsweise in der Haut und im Auge"), deren Endzweck es war,eine Theorie der Reize aufzustellen. Das erwähnte Gesetz ge-stattet die folgende Fassung: Wirken mehrere Reize folgeweise,so müssen, damit deren Abstufungen als gleich empfundenwerden sollen, die Disferenzen je zweier konsekutiverReize proportional den Absolutwerten der Reize selbstwachsen. Über die dem Reize sich anschließende Empfindung istdamit zunächst noch keine endgiltige Aussage gemacht; diese Aus-gestaltung des Weberschen Gesetzes liefert vielmehr erst dasFechnersche Gesetz, welches besagt: Die Empfindung istproportional dem Logarithmus des Reizes minus demLogarithmus desjenigen Reizes, welcher noch eben fähigist, sich bemerklich zu machen. Eben diese letztere Größequantitativ zutreffend abzuschätzen, ist nun freilich eine überausschwierige Sache, wenigstens auf dem von Weber selbst einge-schlagenen Wege, und es hat daher v. Vierordt die Betretungeines anderen angeraten, der durch die Bezeichnung Methodeder richtigen und der salschen Fälle gekennzeichnet erscheint.Den Fechnerschen Ausdruck hat Langer etwas umgeändert, sodaß die Relation zwischen Ursache und Wirkung jetzt in diese Formgekleidet werden kann: Die Empfindung wächst mit der Stärke desReizes bis ins Unbegrenzte und fällt anch mit dieser, hier jedochmit der Einschränkung, daß die Empfindung dann schon Null wird,wenn der Reiz am sogenannten Schwellenwerte einemNesidnnm der Herbartschen Psychologie angelangt ist. Dievielfältigen Prüfungen, welche Helmholtz, H. R. Aubert (1826bis 1892), I. R. L. Delboeuf (geb. 1831), I. I. Müller (1846bis 1875) und in neuester Zeit namentlich I. Bernstein (geb.1839) an dem Weber-Fechnerschen Gesetze vorgenommen haben,nötigen uns nun zwar die Überzeugung auf, daß die unendlicheVielfältigkeit der Möglichkeiten, wie unser Empfindungsvermögen