Fortpflanzung von Reizen: Raunwvrstellung,
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Gebieteil machen, die dereinst den Tummelplatz vager Spekulationbildeten uud heute exakter Beobachtung, Messung und RechnungUnterthan sind. Einen Lieblingsgegenstand psychophysischer Forschungmacht auch die immer genauere Lösung der Aufgabe aus, zu be-stimmen, wie lange es dauert, bis gewisse Sinneseindrückezum Gehirne fortgeleitet werden, uud bis der dadurchausgelöste Befehl an die Glieder diese erreicht. Daß dieseZeiten außerordentlich minimale sind, leuchtet an sich ein; daßsie aber doch meß- und vergleichbar sind, ersahen wir in der Ge-schichte der Astronomie anläßlich der sogenannten persönlichenGleichung, mit der sich in allerjüngster Zeit Alechsejew an derHand neuer Prüzisionsmethoden beschästigt hat. Inauguriert wurdediese Kategorie von Forschungen von Helmholtz, als er, nachdemzuvor über die Fortpflanzung von Reizen iu deu motorischenNerven einige Anhaltspunkte erhalten waren, 1871 die Zeit er-mittelte, die verfließt, bis ein Gesichtseindruck vom Bewußtsein alssolcher empfunden wird. Hierüber haben spätere psychologischeExperimente von Th. Lipps (geb. 18S1) wertvolle Aufklärunggeliefert, wiewohl natürlich noch ein weiter Spielraum für künftigeBethätignng exakt-philosophischen Strebens eröffnet bleibt. Er-wähnt sei, daß ein übersichtlicher Leitfaden von G. F. Lipps(„Grundriß der Psychophysik", Leipzig 1899) Freunden der Sacheeine beqneme Orientierung verstattet.
Um noch an einem konkreten Falle der Operationsmethodeuder Psychophysik zu gedenken, weisen wir auf die auch für diePhysik indirekt bedeutungsvolle Lehre von der Raumanschauunghin, deren psychologischen Untergrund K. Stumpf (1873) undTh. Lipps (1891—1897), letzterer auch mit besonderer Berück-sichtigung der Rolle des gelben Fleckes im Auge, in einem Geistegeprüft haben, der auch in der kritischen Periode Kants nochkeinen Vorgänger hatte. Von Stumps („Tonpsychologie", Leipzig 1883—1890) rührt, beiläufig bemerkt, auch die erste, in großem Stilegehaltene, psychophysische Bearbeitung der Akustik (Abschnitt XV) her.Der so erreichte höhere und universellere Standpunkt befähigte dennauch dazu, die auffälligen geometrischen Gesichtstäuschungen,deren systematisches Studium zuerst (1854) I. I. Oppel (1815