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XVII. Moderne Grenzgebiete der Physik,
mehrere auch in deutscher Sprache erscheinen. Die Wanderversamm-lungen der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflegeliefern gleichfalls eine sich stetig vermehrende Fülle wissenschaftlichenStoffes. Was vor einem Jahrzehnt an gesicherten Thatsachen vorlag,vereinigt das große „Handbuch der Hygiene und Gewerbekrankheiten"(Leipzig 1882—1889), welches v. Pettenkofer und v. Ziemßengemeinschaftlich herausgegeben haben, während in gedrängtererZusammenstellung K. G. F. W. Flügge (geb. 1847) den moderneuStaudpunkt der hygienischen Disziplin gezeichnet hat („Grundrißder Hygiene", Leipzig 1891).
In neuester Zeit macht sich innerhalb letzterer das Prinzipeiner Zweiteilung geltend, die im innersten Wesen der Sachebegründet ist. Damit ein Mensch erkranken könne, sind nachv. Pettenkofer drei zusammenwirkende Ursachen notwendig, vonderen keiner wir sagen können, daß sie nns genau bekannt sei,und die man deshalb füglich mit den in der Algebra für die un-bekannten Größen gebrauchte!? Buchstaben x,2 bezeichnen kann.Das x ist der eigentliche Krankheitserreger, das ^ die Ge-samtheit der das Krankwerden begünstigenden äußerenUmstände, das2 endlich die individuelle Disposition. LetztererPunkt scheidet ans der Hygiene ein- sür allemal ans und fälltanderen Teilen der ärztlichen Wissenschaft zu; aber ans der Er-forschung des x und setzt sich die neuere Hygiene zusammen.Als eigentliche Kraukheitskeime betrachtet man seit etwa zweiDezennien die sogenannten Mikroben, winzige, zumeist aus-schließlich mikroskopische Lebewesen tierischer nnd — zumeist —pflanzlicherNatur(Abschnitt II); daß sie es sind, welche durchweg, zummindesten bei Infektionskrankheiten, dnrch Eindringen in dieBlutbahnen den Organismus gesährdeu, wird gegenwärtig allgemeinangenommen. L. Pastenr (1822—1895) und R. Koch (geb. 1843)stehen an der Spitze dieses ungemein rasch emporgeblühten, Bak-teriologie genannten Wissenszweiges. Derselbe gehört, obwohlauch er nur auf der Basis physikalischer und chemischer Methodikerwachsen konnte, nicht in unseren Kreis, nnd ebensowenig gehtuns die Frage nach dem obigen 2 an; das ^ dagegen, das Milieu,wie man wohl auch die der Seuche förderlichen äußeren Umstände