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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Hygienische Meteorologie.

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zusammenfassend benennt, setzt sich ans lanter Elementen zusammen,mit deneu es die anorganische Naturwissenschast zn thun hat.

Den Einfluß der Witterung und des Klimas untersucht diehygienische Meteorologie, welche vor wenigen Jahren durchW. I. van Bebber (geb. 1841) ihr erstes Lehrbuch (1895) er-halten hat; anch ein allgemeineres Werk von G. M. Th. Höh,18281388),Die Physik in der Medizin" (Stuttgart 1875) be-titelt, geht auf diese Punkte besonders ein. Die Stauberfüllungder Lust, deren nosologische Wichtigkeit zuerst der ModeneserB. Ramazzini 1703 ins richtige Licht gestellt hat, kommt sehrin Frage, und da nach den nenesten Untersuchungen von I. Aitken(18391884) und G. Tissandier (geb. 1843) stets Staub iuder Luft schwebt, den man durch das Aitkensche Verfahren derStaubkörnerzählung sogar volumetrisch zu aichen vermag, sokann diese Quelle von Gesundheitsstörungen als eine unaus-gesetzt fließende gelten auf hohen Bergen und hoher Seenatürlich ungemein viel weniger reichlich, als in übervölkertenZtädten. Der sanitäre Einfluß der Winde, unter denen manübrigens nach M. Hvefler den Föhn ganz mit Unrecht alsschädlich verrufen hat, will beachtet seiu, und noch weit mehr trifftdies zu für giftige oder irrespirable Gase, welche von Hauseaus der natürlichen Atmosphäre fehlen. Kloaken nnd Kirchhöfe,welch letztere übrigens gar nicht mehr so ängstlich wie in frühererZeit angeschaut werden, können die Lnft in der angegebenen Weiseverunreinigen; F. Renk (Die Kanalgase", München 1882) zeichnetvor, wie man das Dasein solcher fremdartiger Lnftbeimengnngeuquantitativ und qualitativ ermitteln kann. Die klimatische An-passung, sofern Wechsel der atmosphärischen Umgebung dieselbezur Pflicht macht, haben die Amerikaner H am m ond und Herr ickund insbesondere auch der deutsche Sozialhygieuiker E. Reich(1879) behandelt. Nudols Virchow eiguet uuter der Vielzahlseiner wissenschaftlichen Verdienste anch das, im Jahre 1885 denvon jeder verständigen Kolonialpolitik nicht zn vernachlässigendenGegensatz zwischen klimatisch-meteorologischer Akklimati-sation, die sich durch sorgfältige Beachtung bewährter Vorsichts-maßregeln immer erreichen läßt, und pathologischer Akklima-