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XVII. Moderne Grenzgebiete der Physik.
Disziplin hat er eine neue Zeitschrift, die „Forschungen auf demGebiete der Agrikulturphysik", gestellt, die von ihm selbst fast zahl-lose Beiträge brachte, aber auch in den zweiundzwanzig Jahrenihres Bestehens den Spezialisten Gelegenheit gab, in diesem Zentral-organe ein ungewöhnlich großes Maß von Forschungsresnltatenaufzuspeichern. Wollny teilt seiu Fach ein in die Physik desBodens, in die Physik der Pflanze und in die Agrar-meteorologie; letztere soll uns kurz im zweiundzwanzigsten Ab-schnitte beschäftigen, nnd die Pflanzenphysik läßt sich von derBotanik, einem Bestandteile der organischen Naturwissenschaft, nichttrennen, wiewohl man zugestehen muß, daß gewisse neuere Be-strebungen, den Ban des Pflanzenkörpers als durch mecha-nische Gesetze bedingt nachzuweisen, die eigentliche Physiknahe berühren. Begonnen wurden die hier geineinten Studiendurch A. Braun (Abschnitt X), der im Jahre 1828, durch dieSchuppung der Tannenzapsen hierzu angeregt, die Spiralknrvender Schuppen nnd in den folgenden Jahrzehnten diejenigen, welcheman durch die Ansatzpunkte der Blütterstiele am Stamme hindurch-legen kann, auf ihre geometrische Gesetzmäßigkeit zu prüfen begann.Ungemein viel tiefer faßte die mit der sogenannten Quincuncial-stellung verbundenen Fragen der Schweizer S. Schwendener (Ab-schnitt XVI), nachmals in Berlin , auf, der eine selbständige Phyto-dynamik begründet und durch diese eine Reihe ganz isoliertdastehender Beobachtungsthatsacheu aus einem obersten Prinzipeabzuleiten ermöglicht hat. Auch uoch weitere Beiträge zu einermathematischen Botanik lassen sich da und dort nachweisen,so von F. Ludwig in Greiz und von H. Dingler (geb. 1847),dessen Monographie über die mechanischen Bedingungen der Keim-verbreitung in der Atmosphäre („Die Bewegung der pflanzlichenFlugorgane; ein Beitrag zur Physiologie der Passiven Bewegungenim Pflanzenreiche", München 1889) schlagend darthut, wie vieldurch richtiges Ineinandergreifen von Beobachtung, Experiment undRechnung auf einem anscheinend ganz der Willkür überlassenenGebiete geleistet werden kann. Hier müssen wir es bei diesen An-dentungen belassen, uud nur die Bodenphysik soll unsere Aufmerk-samkeit noch einige Augenblicke fesseln.