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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Bodcnphysik.

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Es leuchtet von selbst ein, daß, wenn die Pflanzenkeime indie Erde gesenkt werden, nm hier zu wachsen, die Erwärmungs-und Bewässernngsfähigkeit des Erdreiches eine gewisse Pro-gnose für die zu erwartende Ernte gewährleistet. Man wird mithindie Wärmekapazität, Porosität und den hygroskopischen Charakterder im Ackerbau verwendeten Bodenarten zn ergründen trachten.Wollnys eigene, außerordentlich variierte Versuche über dieWärmeverteiluug in den obersten Schichten haben auch ein weiter-gehendes Interesse für die physikalische Geographie; wenn sichFremdkörper, wie Steine, der Erde beigemengt finden, so wirddurch sie selbstredend auch ein gewisser Einfluß auf die Wärme-kapazität ausgeübt, denn Steine geben die rasch anfgenommeneWärme auch viel rascher durch Ausstrahlung wieder ab, als diesdas lockere Erdreich thut. Das Verhalten des letzteren gegenSickerwasser wurde von A. E. Mayer (geb. 1843), einem unserernamhaftesten Agrikulturchemiker, in Betracht genommen. Nebendem eigentlichen Wasser mnß jedoch nach H. Hellriegel der beiErniedrigung der Temperatur sich verflüssigende WasserdampfBerücksichtigung finden. Die Durchlässigkeit studierte F. Seel-heim im Zusammenhange mit den allgemeineren UntersuchungenFlügges über Porosität, uud das Wogen der Grundluft, eiuabgeschwächtes Spiegelbild der Bewegungen in der freien Atmo-sphäre, hat die Aufmerksamkeit von Wvlffhügel, Renk undHenfele ans sich gelenkt. Auf wie viele integrierende Umständeman acht zu geben hat, zeigen nns die Versuche F. Kernerv. Marilauns über den Einfluß, den die Exposition, d. h. dieHimmelsgegend, der sich die Bodenfläche mit ihrer Böschung zu-kehrt, auf die Art und Stärke der solaren Erwärmung ausübt.Andere Forschungen haben zum Objekte die von C h. A. Müntz (geb. 1846), einem Elsässer, in den Jahren 1877 bis 1879 alsein gewichtiger Faktor der Bodenbildung erkannte Nitrifikationund den Transport löslicher Salze, worüber besondersH. Puchner gearbeitet hat. Die Salzböden und die Be-dingungen, unter welchen sich dieselben bilden, haben in Amerika zwei Deutsche , F. Brendel (geb. 1821) und E. W. Hilgard(geb. 1833), in Deutschland selbst aber E.Ramaun einer botanisch-

Giinther, Anorganische Naturwissenschaften. 43