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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XVII. Moderne Grenzgebiete der Physik.

physikalischen Untersuchung unterzogen, und eben hierüber giebtes eine große Anzahl gediegener Arbeiten von russischen Geo-logen, leider der Sprache halber sür weite Kreise unbenutzbar.Für die Physik des Ackerbaues unmittelbar wertvoll sind auch dieein neues Ferment in eine dem Anscheine nach abgeschlosseneTheorie hineintragenden, Beobachtung und Reflexion glücklich ver-einigenden Studien des FinländersTH.Homen über Frostbildungund die Art und Weise, wie sich dieser gegenüber die Gewächseverhalten. Daß das gefrierende Wasser den Tod der Pflanzen-zellen herbeiführt, indem ihnen das uuentbehrliche flüssige Wasserdurch Anschießen an die in den Jnterzellularräumen entstandenenEiskrystalle entzogen wurde, ist das Ergebnis der von A.E. Mayerund Müller - Thurgau ins Werk gesetzten Versuche.

Wir konnten und wollten lediglich eine Auslese aus demreichen Inhalte einer noch jugendlichen Grenzdisziplin geben, umso darzuthun, daß dieselbe sich bereits eine Achtnng gebietendePosition im Gesamtbereiche der Naturwissenschaften errungen hat.Die schwesterliche Agrikulturchemie hat allerdings das höhere Altervoraus, aber die ehedem von ihr geübte Suprematie kommt ihrnicht mehr zu, und anch die Bodenkunde, die zunächst eiu frei-lich ausgedehntes Anhangskapital der Geognosie darstellt, wirddnrch die Berührung mit der Bodenphysik wissenschaftlich gefestigt.Es wird sich so am Schlüsse dieses Abschnittes der Eindruck be-festigen, daß gerade das Vorhandensein von Grenzgebieten ein be-lebendes Element abgiebt, von dessen Zentren frisch pulsierendesÄben nach allen Seiten hin ausstrahlt.