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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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698
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698 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Jdealstoff schlechtweg mit stark verdünntem Wasserdampse. DasEhepaar PH. und S. Curie giebt sich in jüngster Zeit der Hoff-nung hin, aus der Pechblende zwei neue Elemente, Poloniumund Radium, isoliert zu haben; beide sollen iu hohem Graderadioaktiv sein, d. h. die in Abschnitt XVI näher beschriebeneFähigkeit besitzen, welche dem Uran und anderen Stoffen eigen ist.F. Giesel hat sich darüber auf der Münchener Naturforscher-versammlung ausgesprochen und zwar die Radioaktivität nicht be-stritten, an der Elementarqualität dagegen gezweiselt und daraufhingedeutet, daß man möglicherweise Baryumverbinduugen vorsich habe. Wenn so das System der Primitivstoffe Bereicherungenerhalten sollte, über deren Echtheit zunächst keine Übereinstimmungherbeizuführen war, so ist auf der anderen Seite auch eiues Ver-suches zu gedenken, durch den einem anscheinend fest anerkanntenElemente dieser sein Charakter streitig gemacht werden sollte.W. Fittica (geb. 1850) hat einen sehr wuchtigen Angriff dieserArt auf den Phosphor unternommen, und cS schien fast diebetreffende Angelegenheit spielte erst 1900, als solle dasscheidende Jahrhundert einer Errungenschaft beraubt werden, derenman sich seit Scheele erfreute. K. Winkler hat aber die Verteidi-gung der Eleinentareigenschaft des Phosphors übernommen undsiegreich durchgeführt. Die Erbschaft beträgt mithin wahr-scheinlich, weil doch noch einzelne Fragen nicht als absolut geklärtgelten können fünfundsiebzig Elemente; Gadolinium nndTherbium gelten noch als fraglich.

Eine unangreifbare Entdecknng brachte das Jahr 1875, indemP.E. F. Lecog de Boisbaudran (Abschnitt XII) das Gallinmaus der Zinkbleude gewann. Zehn Jahre später drang Auervon Welsbach zu der Überzeugung durch, daß das als Elementangesehene Didym diese Bezeichnung nicht verdiene; er zerfälltees in Neodym und Praseodym, zwei Substanzen, die so langeals Elemente werden gelten müssen, bis der Beweis für das Gegen-teil erbracht werden kann. Im Jahre 1886 endlich wnrde dieunter dem theoretischen Gesichtspunkte erfreulichste Entdecknng ge-macht, die des Germaniums durch Winkler. Derselbe betontnachdrücklich, daß es sich nicht um das Ergebnis einer vom Glücke