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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Neue Grundstoffe seit 187S.

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Lithium spektroskopisch leichter und allseitiger nachweisen ließ,und daß mit der Darstellung von Caesium und Rubidium dieSpektralanalyse recht eigentlich ihre Feuerprobe bestand. Wie sichseit 1860 etwa die Ausgestaltung unseres Wissens von den Ele-menten vollzog, das zu schildern ist die Ausgabe, au welche wirnunmehr herantreten wollen. Erleichtert wird uns dieselbe wesentlichdurch einen Vortrag, welchen A. Klemens Winkler (geb. 1838),der um diese Seite seines Faches in der neusten Zeit verdientesteChemiker, 1897 vor der Chemischen Gesellschaft in Berlin hielt.Er behandelte darin die wechselvollen Geschicke der Elemeutenlehreim letzten Vierteljahrhundert.

Nicht unbedacht hatte erwähntermaßen Mendelejew die Ans-fiudung neuer Elemente vorausgesagt, denn 1879 meldete L,F. Nilson (geb. 1840) das Scandium zur Aufnahme in die Reihe der nichtweiter zerlegbaren Körper an. Schon 1794 hatte der SchwedeI. Gadolin ein merkwürdiges Mineral analysiert, dem die Mit-welt seinen Namen beilegte, und ans diesem Gadolinit wurdenmit der Zeit auch noch andere Stoffe ausgeschieden, denen teilweiseElementareigeuschaft zugesprochen werden sollte; übrigens habensich nur das Mtrium uud das von I. Eh. Galissard deMarignac (18171894) gefundene Itterbium in dieser ver-muteten Eigenschaft wirklich bewährt. Das Lucium von P.Barrerehat dagegen keinen Bestand auf die Dauer gehabt, und auch die vonG. Krüß (18591895) und F. W. Schmidt mit viel Scharfsinnverteidigte Ansicht, daß Kobalt und Nickel keine eigentlichen Elemente,sondern Verbindungen eines noch zu ermittelnden Elementes, desGnomiums, seien, hat wieder aufgegeben werden müssen. So sindauch Norveginm und Jargonium nur kurzlebige Pseudoelemeutegewesen, wogegen über das angeblich mit außerordentlich hohemAtomgewichte begabte Russium, welches K. D. Chruschtschew1887 einführen wollte, die Akten noch nicht geschlossen sind.Im Jahre 1898 machte eine Zeitlang das Ätherium vonCh. F. Brush einiges Aufsehen, weil es nach seines EntdeckersMeinung den leichtesten aller denkbaren Körper bilden, im ganzenUniversum verbreitet und wahrscheinlich mit dem Lichtäther derPhysiker identisch sein sollte; Crookes freilich identifizierte diesen