696 XVIII. Die Chemie in der zweiten Halste des Jahrhunderts.
gewicht, Atomvolumen und Wärmekapazität kausal zu verbinden.Der große Wnrf glückte jedoch erst 1864 dem damals in Breslandozierenden I. Lothar Meyer (1830—1895), und die deutscheGelehrtenwelt erkannte die Bedeutung seiner Entdeckung sosortbereitwillig an, während zwei andere Chemiker, die sich gleichfallsauf dem richtigen Wege befanden, minder glücklich wareu. Diefreilich etwas eigentümlich eingewickelten Sätze des auch in seinenkartographischen Bestrebungen stets doktrinären A. E. Beguyerde Chancourtois (1819 — 1886), der 1862 die Elemente nachihren Atomgewichten auf einer Schraubenlinie aneinanderreihenwollte, blieben unbeachtet, und der Engländer I. New land s, der fastgleichzeitig mit L.Meyer ähnliche Gedanken formulierte, hatte mitspöttischem Skeptizismus zn kämpfen. Beide Männer bemerkten,daß in der Reihe der Atomgewichte eine gewisse PeriodizitätPlatzgreife. Was die erste Wahrnehmung noch an Bestimmtheitzu wünschen übrig ließ, wurde seit 1869 durch Mendelejew nndgleicherweise durch L. Meyer selbst ergänzt, der darüber in seinenselbständigen Schriften („Moderne Theorien der Chemie", Breslan1864, seitdem vielfach neu aufgelegt; „Die Atomgewichte der Ele-mente, aus den Originalzahlen neu berechnet", mit K. F.O. Seubert sTübingen^, Leipzig 1884; „Grundzüge der theoretischen Chemie",Breslan 1890) ausführlich berichtet hat. Jedem Elementekommt auf Grund seines Atomgewichtes ein bestimmterPlatz in der Gesamtreihe zu, und diese Zuordnung ist eine sosichere, daß sie einerseits znr Bestimmuug noch unbekannter Atom-gewichte nnd andererseits, wie sich noch ergeben wird, dazu dienenkann, das Vorhandensein von Elementen zn prognostizieren,die noch durch kein anderes Lebenszeichen ihre Existenz verratenhaben. Das periodische System der Elemente ist zugleich einnatürliches, und die Unterbringung eiues Gruudstoffes in ersteremgeht ohne Willkürlichkeit von statten.
Daß beim Ablaufe der ersten Jahrhunderthälfte eine ziemlichgroße Anzahl von Elementen bekannt war, zeigte Abschnitt IX,nnd ebenso machte uns Abschnitt XII damit bekannt, daß im sechstenDezennium eine analytische Methode von bisher ungeahnter Fein-heit ins Leben trat. Es wurde hervorgehoben, daß sich das