Synthese der organischen Körper.
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der Zurückführung gewisser Jfomerien auf die Verteilung derKohlenstoffatome haben eine Durchdringung mit stereochcmischenIdeen zur Grundlage gehabt. Aus diesen erhellt, daß JsomerieRegel und nicht Ausnahme ist, und daß es nnr an der Un-vollkommenheit unseres Wissens lag, wenn die wenigen Fälle, dienach und nach zur Kenntnis der Chemiker kamen, den Eindruckdes Anomalen erweckten, während umgekehrt dann, wenn sür dieAtome eine Vielzahl von Möglichkeiten besteht, sich räumlich inGruppen zusammenznordnen, die Wahrscheinlichkeit, diese Kon-figuration werde nicht immer eine absolut identische sein, als sehrnahe liegend betrachtet werden muß. Stereochemisch scheint fernereine Beobachtung gedeutet werden zu müssen, die B. Meyer 1896machte; hier uud da gewinnt es den Anschein, als ob eine Ver-bindung, auf deren Znstandekommen man warten darf, sich nichtoder doch nnr langsam bildet, gerade als ob den neu eintretendenAtomen der sreie Bewegnngsraum versperrt wäre. Doch hat esauch gegnerische Stimmen gegeben, wie z. B. Claus, und es istder auch im günstigen Falle gewiß ganz berechtigte Rat erteiltwurden, nicht absolut Alles von einer Theorie zu erwarten, die jaanch im Sinne ihrer Anhänger immerhin nur einem Teile derzahllosen Einzelphünomene gerecht zu werden vermag. Wenn z. B.,wie E. Richard Meyer (geb. 1846) wahrscheinlich machte, Be-ziehungen zwischen Farbe und Struktur der Körper ob-walten, so würde es kaum angehen, lediglich in der Raumanord-nung den Schlüssel für eine isoliert dastehende physikochemischeErscheinung suchen zu wollen. Auf alle Fälle aber stellt dieSterevchemie für die Zukunft noch reichen Gewinn in Aussicht.
Mit der theoretischen Ausbildung der Wissenschaft bleibt aufsinnigste verbunden die Synthese der organischen Körper,für welche, wie wir wissen, schon in der ersten der beiden vonuns unterschiedenen Perioden durch Woehler, Kolbe und Frank-land ein unerschütterlicher Grund gelegt worden war. Wie rüstigjedoch auf dieser Basis in den nächsten Jahrzehnten sortgebautwnrde, ersieht man aus der auch das geschichtliche Element dankens-wert berücksichtigenden Monographie von K. Elbs („Die synthe-tischen Darstellungsmethoden der Kohleustoffverbinduugen", Leipzig