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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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702 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

vder Xenon. Die Ankündigung, daß der berühmte schottischeNaturforscher bei der Münchener Versammlung (1899) einen Vor-trag über seine und Lord Rayleighs Entdeckungen in ihrerTotalität halten werde, bildete eiueu der Hauptanziehungspnnktejenes Kongresses, und die hochgespannten Erwartungen wurdennicht getäuscht. Die neue Gruppe setzt sich einstweilenaus fünf zuvor unbekannten Grundbestandteilen derMaterie zusammen. Wir stellen dieselben uoch einmal kurzzusammen, indem wir neben jedes Element die Zahlen des Atom-gewichtes und der Dichte schreiben, so wie sie ans RamsaysBestimmungen sich ergeben Die Svndergruppe hat demnachfolgeuden Inhalt: Helium (4,0; 1,98), Neon (20,0; 10,00), Argon(40,0; 19,96), Krypton (81,6; 40,80), Xenon (128,0; 64,00).Die Einheit der Dichte liefert der Wasserstoff, und wir sehen also,daß das Helium eiu ungemein leichtes und feines Gas ist, wiedies nach seinem Orte in der solaren Phvtosphäre vorauszusehenwar. Auch für die Berechnung der kritischen Temperaturen derneueil Körper sind bereits vielversprechende Anfänge geinacht worden.

In der an Ramsays Vortrag sich anschließenden Diskussionwies Boltzmanu darauf hin, daß das Studium dieser Gase,wegen ihrer besonders einfachen moleknlaren Konstitution, wert-volle Resultate für die gesamte Atomistik im Gefolge haben müsse.Und dies wird auch sofort einleuchten, wenn man sich vergegen-wärtigt, daß nach weit verbreiteter Meinung der Zustand deseinatomigen Gases der Primordialzustand der Materie ist, indem sich dieselbe befand, als sich die von der Laplac eschen Kos-mogonie angenommenen Verdichtungen erst vorbereiteten. Ungemeinlohnend wird auch in der Znkunft der Versuch sein, die Schrankenniederzureißen, welche zunächst noch die Genossenschaft der fünfneuen Elemente von dem Verbände der älteren trennen. Solltees nicht eine Erweiterung des periodischen Gesetzes geben, welchesich auch auf die Einlaß fordernden neuen Ankömmlinge zn er-strecken vermöchte? I. Traube hat bereits 1895 den Anstoß zurBegründung eines neuen Systemes der Elemente gemacht, welchesnicht nur die Atomgewichte, sondern auch die Volumverhältuisseals Kriterien verwerten will, und vielleicht liegt in dieser Richtung