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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
704
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794 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Th. Curtius in dem hier einzureihenden Hydraziu charakte-ristische Eigenschaften ermittelten. Noch auffälliger war teilweise,was sich an gewissen Halogenverbindungen, vorab mit Stick-stoff und Phosphor, herausstellte; das Trifluorid ist eine Ent-decknng Moissans, das Pentafluorid eine solche Th. E. Th orpes(geb. 1845). Nene Molybdänverbindnngen brachten Krüßund Nknthmann zuwege, und ersterer hat anch das Gold indiesem Sinne zum Gegenstande erfolgreicher Arbeiten gemacht.

Wenn wir uns zu den organischen Körpern wenden, so brauchenwir nicht mehr ausdrücklich zu erinnern, daß die aromatischenKohlenwasserstoffe, dereu Natur dnrch die umfassenden Untersuchungenv. Baeyers und seiner Schule erschlossen wnrde, zu tiefer Einsichtin die Struktur der betreffenden Körperklasse verholfen haben.Die ätherischen Olc sind seitdem einer regelrechten Systematikzugänglich gemacht worden. Ferner ist hier anzureihen die Fragenach der Konstitution der Nnilinfarbstoffe, welche E. Fischer,zusammen mit Otto Fischer (geb. 1852), seinem Vetter und Nach-folger ans dein chemischen Lehrstuhle der Universität Erlangen,auf das Triphenylmethan als Grundsubstanz zurückgeführt hat.Die Alkohole hatteu schon bei der Entwicklung der modernenTheorien dnrch Kolbe, Willi amson und S. Canuizzaro (geb.1826) sozusagen Gevatter gestanden uud sind seitdem, ebenso wiedie von Gerhardt und Keknle ihnen zur Seite gestellten Phenole,das Zentrum eiuer selbständigen Arbeitsgruppe geblieben. Einevielleicht folgenreiche - künstliche Darstellung des Alkohols ist die-jenige P. Fritzsches, der ihn (1897) aus dem Äthylen des Leucht-gases ableitete. Die von Chevreul musterhaft bearbeiteten Fett-säuren blieben viele Jahre eine Domäne der Liebigschen Schule,unter deren Vertretern Heintz, der Pflanzenchemiker F. Roch-leder (1819 1874) und der Pharmazeut F. Varrentrapp(18151877) besonders zn nennen wären. Sodann zogen Kolbeund H. v. Fehling (1812 1885), der Erfinder der bekanntenHärteskale des Wassers, anch die Karbonsäuren in Betracht,von denen die BenzoL- und Zimmtsäure, letztere ein Lieblings-objekt der Forschung von W. H. Perkin (geb. 1838), am meistenin den Vordergrund traten. Sie gaben anch den Anlaß, die Ester