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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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734 XIX. Die Emanzipation der physikalischen Chemie.

der Joneuwauderung entwickelt habe. Jetzt ist es an der Zeit,jene Andeutungen fester zu gestalten, und es wird dies Dem, deraktuelle Geschichte zu schreiben unternimmt, erleichtert durch denUmstand, daß Nerust und Ostwald dieser im letzten Kapitelseiner umfangreichenElektrochemie" (Leipzig 1896) die neuenLehren in systematischer Darstellung vorgeführt habeu. Die erstenArbeiten von Arrhenius (1884), die es mit der Leitungsfähigkeitstark verdünnter wässeriger Losungen zu thun hatten, stießen nochauf mehrseitigen Widerspruch, und wirklich war es ja auch durch-aus nicht leicht, sich in einen Gedankengang hinein zu versetzen,der sich als ein ganz und gar neuer, ungewohnter erwies. Undeinen Teil seiner Thesen mußte ja auch der skandinavische Gelehrteselbst wieder fallen lassen. Er war nämlich von der Annahmeausgegangen, daß in den Lösungen Molekülaggregate, komplexeMoleküle nach seiner Nomenklatur, vorhanden seien, welche unterder Einwirkung des elektrischen Stromes in eigentliche Molekülezerfielen. Allein jene Moleküle höherer Ordnung, wenn man sosagen darf, ließen sich in keiner Weise ergründen, sie bliebenPhantasiedinge, und nachdem sich Arrhenius überzeugt hatte,daß seine Hypothese einen schwachen Pnnkt habe, während er dochnach wie vor von der Notwendigkeit eines Zerleguugs-prozesses durchdrungen blieb, ging er zu einer ueueu, von denThatsachen trefflich unterstützten Fassung seiner Gruudvorstelluugüber: Die Moleküle sind das Primäre, und die Elektrolysebesteht darin, daß erstere sich in die als Ionen bekanntenTeilstücke auflösen. Damit war die Bahn gebrochen für dieim Lause des letzten Jahrzehntes so gewaltig fortgeschrittene Theorieder freien Ionen, deren Prolegomena enthalten sind in einemSendschreiben (1884) an I. O. Lodge (geb. 1851), ständigenSekretär des britischen Msokrol^sis - Lowmittse Hier legtArrhenins dar, wie van t'Hoffs Divination über den vsmo-tischen Druck ihn zu einer Revision seiner früheren Auffassunggenötigt habe, bezüglich deren er jedoch selbst wieder Williamsonund Clansius als Diejenigen nennt, deren Arbeiten zuerst fürfeiue eigenen bestimmend gewesen seien. Die elektrolytischeDissoziation besteht darin, daß nach der Zerfällung der