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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Der osnwlische Druck.

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von gleichem osmotischem Drucke erhält man nämlich, wenn manim nämlichen Lösungsmittel äauimolekulare Mengen verschiedenerStoffe zur Auflösung bringt. Wieder einen neuen Fingerzeig vonhoher Fruchtbarkeit gab 1890 van t'Hoff, indem er darthat, daßauch bei jenen festen Lösungen, auf deren Borhandensein ererwähntermaßen geführt ward, von einem solchen Drucke gesprochenwerden könne. Damit finden gewisse Erfahrungen über mole-kulare Durchdringung sich berührender fester Körper einevorläufige Erklärung, mit deren Sammlung W. V. Spring (geb.1848) schon etwas früher den Anfang gemacht hatte. Die jetztschon fest gewurzelt? Überzeugung, daß mit dem Worte Aggregat-zustand keine irgendwie stabile Existenzform der Materie zu be-zeichnen ist, sondern daß nur die zufälligen äußeren Umstünde unseinen beliebigen Körper eben in dem Zustande größerer oder ge-ringerer Beweglichkeit der ihn zusammensetzenden Partikeln erscheinenlassen, wird durch den allerdings noch hypothetischen Satz vonvan t'Hoff bestätigt: Jsosmotische, d. h. von überein-stimmendem osmotischem Drucke beherrschte Lösungenenthalten, wenn Volumen und Temperatur gleich sind,auch eiue gleiche Anzahl von Molekülen. Man sieht, daßdies eine einfache Ausdehnung des uns aus Abschnitt VIII erinner-lichen Gesetzes von Avogadro auf einen Zustand ist, der gewißnicht als gasförmig aufgefaßt werden kann und doch zu diesem,wie eben schon die Bekundung des Druckes bewies, die auffälligstenAnalogien an den Tag legt. Nur das Wasser scheint sich derbeschriebenen Gesetzmäßigkeit nicht recht zu fügen, gerade wie auchdas Avogadrosche Gesetz gegenüber Gasen von sehr hoher Dampf-dichte außer Kraft tritt; später ist es jedoch gelungen, diese schein-bare Diskrepanz zu beseitigen oder, richtiger gesprochen, als not-wendige Folge einer noch universelleren Thatsachenreihe zu erkennen.

Dies wurde erzielt durch den Ausbau einer Theorie, derenAnsänge wir am Schlüsse unseres elften Abschnittes zu streifenveranlaßt waren. Dort gedachten wir der elektrolytischen Hypo-thesen, die noch schüchtern v. Grothuß und weit bestimmter Hittorfformuliert hatten, und deuteten an, daß Arrhenius aus diesenAnsaugen heraus eine vollständig neue Interpretation des Wesens