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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIX. Die Emanzipation der physikalischen Chemie.

Lösungen weiter aus, nnd es gelang ihm namentlich, unterstütztdurch seineu damaligen Assistenten Nernst , gewisse auf dem Wegeder Reflexion gefundene Wahrheiten, für welche hervorragendePhysiker den direkten Nachweis als ausgeschlossen erachteteu, experi-mentell zn erhärten. Die von Arrhenius gemachte Entdeckungder isohydri sehen Lösuugen, die so beschaffen sind, das; ihreVermischung keine Veränderuug der elektrischen Leitungssühigkeitim Gefolge hat, verhalf dazu, den Widerstand zu brecheu, der nochin »veiten Kreisen vielfach allerdings mehr latent der Jonen-theorie entgegengebracht ward. Einen noch erheblicheren Fortschrittsignalisierte 1889 Nernsts Nachweis, daß sich, wie H. v. Helm-holtz bereits im Sondersalle gesunden, anch die elektromotorischeAktion der Ionen dem numerischen Erkennen nicht entzieht.Als Seitenstück des osmotischen Druckes verlangt gleichmäßig Be-achtung die Losungstension, die in dem der Auflösung aus-gesetzten Körper steckt und die Lösnng nur so lange vor sich gehenläßt, bis jene neu eingeführte Größe dem osiuotischeu" Teildruckeder neu gebildeten Moleküle gleich geworden ist. Die anerkannter-maßen noch nicht ausreichend geklärte Natur der Koutaktelek-trizität ließ sich daraushin uuter einem neuen Gesichtspunkteerforschen, wie denn Planck zu Beginn der neunziger Jahre miteiner viel versprechenden Erklärung des Wesens der Flüssigkeits-ketten hervortreten konnte. Mit unserem Fortschreiten auf diesemGebiete ist auch die etwas erstarrte Theorie der Volta-Elek-trizität in neueu Fluß geraten, nnd ziemlich hundert Jahre nachderen erstem Austreteu iu der Geschichte der Naturlehre ist manauf elektrochemischem Wege hinter ihr eigentliches Geheimnis ge-kommen. Es sind hier vor allem auch die Beiträge namhaft zumachen, welche 1894 W. L. Goodwin (geb. 1856) zur Aufklärungder Zusammengehörigkeit von elektrischem Potentiale und Lösungs-tension geliefert hat.

Wer sich dazu augeregt fühlt, das langjährige Ausnndabivogender Meinungen an der Hand eines geschichtlich orientierten Führerszu verfolgen, der möge Ostwalds UniversitütsprogrammÄltereGeschichte der Lehre von den Berührungswirkungeu" (Leipzig 1897)zur Hand nehmen. Der Kontakt mußte, solange mau über die