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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Zwanzigstes Kapitel.

Mineralogie und Petrograuhiein neuerer und neuester Zeit.

In der Lehre von den anorganischen Naturkörperu'herrschtenwährend der ersten Hälfte des Jahrhunderts zwei divergierende,zeitweise scharfen Gegensatz nicht verleugnende Richtungen, einegeo metrische und eine naturhistorische, vor. Die erstere findetprägnanten Ausdruck in den Namen Weiß, Hessel und Bravais,während als Bannerträger der an zweiter Stelle genannten Mohshervortritt. Wie es uns die Geschichte so häufig vor Augen stellt,hat sich dieser Zwiespalt, der eben doch schließlich in einer gewissenEngherzigkeit beider Heerlager seinen Grund hatte, völlig aus-geglichen, je tieser die Erkenntnis eindrang. Was man schlecht-weg Mineralogie nennt, ist jetzt mit vollem Bewußt-sein mit Krystallkunde zu identifizieren, und ihr stehtunter dem Zeichen vollster Gleichberechtigung die ausdem früheren Abhängigkeitsverhältnis zur Geologie sichimmer entschiedener loslösende Gesteinskunde zur Seite.Beide Disziplinen wollen wir jetzt in dem Entwicklungsgängekennen lernen, den sie im Verlaufe des letztvergangenen Halbjahr-hunderts genommen haben.

Seit Bravais befand man sich, wie wir sahen, im Besitzeeiner beherrschenden, die ganze Krystallographie sozusagen auf einefeste Marschroute verweisenden Wahrheit: Alle überhaupt mög-lichen Krystallformen waren bekannt. Immerhin blieb noch