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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
765
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Neue Goniometer. 7gz

Nachdem wir so die Krystalltheorien bis herab zur Gegenwartversolgt haben, müssen wir auch der Krystallmessung und denim engeren Sinne mineralogischen Fragen unsere Aufmerksamkeitzuwenden, während Krystallphysik und Krystallchemie, die in deneinschlägigen Kapiteln bereits mitbehandelt wurden, nur noch fluchtiggestreift werden sollen. Wir erfuhren, daß seit Wollaston dieNeflexionsgoniometer allgemein gebraucht worden sind, undzwar bediente man sich anfänglich zumeist des vertikalen Teilkreises;nachgerade ist demselben durch Malus und Babinet ein horizon-taler Teilkreis substituiert worden, und zwar wird das Instrumentjetzt mit Vorliebe iu derjenigen Justierung gebraucht, welche ihmC. F. M. Websky (18241886) im Jahre 1880 erteilt hat.Die Firma Fueß iu Berlin liefert diesen wie jeden anderenkrystallometrischen Apparat in hoher Vollkommenheit. Es hatsich zumal der Webskysche Spalt die allgemeinste Anerkennungerworben; zwei dunkle Kreisplatten können aus entgegengesetzterRichtung mit gleichförmiger Geschwindigkeit in den hellen Lichtkreishineingedreht werden, so daß man die Lichtlinie beliebig zu ver-schmälern und zu verbreitern in der Lage ist. Als Hilfsmittelscharfer Einstellung wurde früher gemeiniglich auch das von derAstronomie her bekannte Fadenkreuz gewühlt; später aber waudteman sich dem von A. Schraus (geb. 1837) vorgeschlagenen Kreuz-signale zu, dessen Gebrauch die Augen weniger ermüdet; kurzgesprochen, ist an Stelle des dunklen Doppelstriches auf HellemGrunde ein Heller Doppelstrich auf duuklem Grunde getreten, ge-bildet durch zwei Lichtlinien, die mit dem Horizonte jeweils Winkelvon 45° einschließen. Für den Fall, daß man es mit leicht zer-störbaren Krystallen zu thun hat, die etwa an der Luft zerfließen,nimmt man zu Brezinas Schutzvorrichtung (1834) seine Zuflucht.Das Goniometer setzt ersichtlich das Vorhandensein von spiegelndenKrystallslächen voraus, allein diese Bedingung findet sich in derNatur keineswegs immer erfüllt, weil sehr oft defekte Exem-plare mit korrumpierten, erblindeten Flächen dem Beobachterin die Hände kommen. Hier hilft I. Hirschwalds (geb. 1845)eigens sür diesen Zweck ersnndenes Mikroskopgoniometer aus(1879), und noch bequemer zu handhaben ist das Fühl Hebel-