Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
767
Einzelbild herunterladen
 

Methoden zur Härtebestimmung.

707

Diesem Überblicke über die offenbar sehr intensive Fortschritteausweisende Entwicklung der metrischen Krystallkunde in der zweitenHälfte des Jahrhunderts möge zunächst eine Erörterung der Ent-wicklungsphasen folgen, die eines der wichtigsten mineralogischenKennzeichen in neuerer und neuester Zeit durchgemacht hat. Wirwissen, daß Mohs die Bestimmung der Härte eines Mineral-körpers durch die seinen Namen tragende Skale zuerst ermöglichte,nnd diese letztere dient auch uoch jetzt dem Praktiker, der darausangewiesen ist, sich über die Natur irgend eines ihm vorgelegtenStoffes rasch ein Urteil zu bilden. Indessen wird man nicht be-streikn können, daß dieses empirische Verfahren den Anforderungenhöherer Wissenschaftlichkeit nicht genügen kann; schon deshalb auch,weil es nnr relative, durchaus aber nicht absolute Hürte-bestimmuugeu gestattet. Daß solche erwünscht seien, sühlte zuerstder auf so vielen Gebieten schöpferisch vorgegangene Frankenheim(Die Lehre von der Kohäsion", Breslau 1835), und daraufhinwagte sich Seebeck an die Konstruktion eines eigentlichen Härte-messers oder Sklerometers; eine Spitze wurde mit der zuprüfenden Krystallfläche in Kontakt gebracht und über dieselbehorizontal weggeführt, während zugleich so lange Gewichte aufgelegtwurden, bis sich der Weg der Spitze in einer deutlich erkennbarenRitzung offenbarte. Die Vorrichtung, welche 1854 W. I. Grailich(Abschnitt XV) und Pekärek zu genaueren Messungen verwendeten,beruhte gleichfalls auf dem Seebeckschen Grundgedanken, und diemühsam zusammengebrachte Beobachtungsreihe entbehrte auch nichtdes Nutzens. Aus F. Exners Kontrollarbeit (Untersuchungenüber die Härte an Krystallen", Wien 1873) ging nämlich hervor,daß das Sklerometer nicht mit voller Zuverlässigkeit dazu gebrauchtwerden könne, verschiedene Krystalle bezüglich ihrer Härte zu ver-gleichen, wohl aber dazu, zu ermitteln, wie sich die Härtewider-stände in verschiedenen Richtungen der gleichen Krystallflächezu einander verhalten. Ausgedehnte Versuche stellte weiterhinA. B. I. F. Pfasf (18251886) an; doch kann man gegen seinsinnreiches Verfahren (1884) den EinWurf erheben, daß es eigent-lich absolute Werte, wie es der Titel des fraglichen Aufsatzes ver-spricht, nicht zu liefern im stände sei. Kurz, man war zn Aufang