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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
768
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768 XX. Miueralvgie und Pctrvgrnphie in neuerer nnd neuester Zeit.

der achtziger Jahre noch eben nicht sonderlich weit über jenesNivean hinausgekommen, dessen Höhe dreißig Jahre zuvor durcheiue Dissertation (Os ls.xiäum äuritats siimc^us iuetisn6i uovnmstlroclo", Bonn 1850) von R. Franz (geb. 1827) gekeunzeichuetwurde. Da nahm sich einer der ersten deutschen Physiker deShilssbedürftigen Gegenstandes an. Eine zuerst wenig verbreitete,in einem technischen Organe abgedruckte Abhandlung von H. Hertz leistete nach zwei Seiten hin Abhilfe: Erstens wurde das Weseuder Härte begrifflich fest umschrieben, und zum zweiten ward diesklerometrische Spitze, die doch eben auch nur als eine Kugelslächevon äußerst kleinem Radius gelten konnte, ersetzt durch eine ganzbeliebige sphürische Fläche. Auf dem von Hertz vorgezeichueteuWege ist dann mit Energie nnd Erfolg F. Auerbach vorwärtsgegangen. Die neue Definition, die es praktisch auszunützen galt,hatte nachstehenden Wortlaut: Härte ist die Elastizitäts-grenze eines Körpers bei Berührung einer ebenen Flächedesselben mit einer kugelförmigen Fläche eines anderenKörpers. Um diese zunächst noch sehr allgemein klingende Fest-setzung besser verwertbar zu machen und zugleich für alle dievorkommenden Moleknlarzustände sogenannter fester Körper znaptieren, erklärte 1892 Auerbach die Härte für diejenigeBeanspruchung auf Eindringen", bei welcher spröde Körper eineTrennung ihrer Teile, plastische Körper dagegen eine stetige An-passung erleiden. Da hier ein Gegensatz angedeutet ist, auf dendie Physik häufig geführt wird, ohne daß doch die Natur desselbengeuügeud geklärt erschiene, so dehnte Auerbach seine Untersuchungenauch noch auf diese Frage aus und regte an, als Plastizität denÜberschuß der Festigkeit über die elastische Vollkommenheit zu be-zeichnen, während bei Sprödigkeit diese Differenz das entgegen-gesetzte Zeichen annimmt.

Einen in neuerer Zeit viel gepflegten Bestandteil der Krystallo-graphie bildet die Lehre von den Zersetzungsfiguren; diese Be-zeichnung ist nach E. Blasius und Groth zutreffender als derübliche Name Ätzfiguren, welcher sich doch nur ans eine besondereArt der anfangenden Auflösung eines Krystalles bezieht. Begonnenwnrde mit dem Studium dieser Gebilde von K. Pape (geb. 1836),