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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Zersetzungsgebilde.

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der die langsame Zerstörung von Mineralkörpern, namentlich vonwasserhaltigen Salzen, unter der Einwirkung der Atmosphärilien,studierte und 1865 ausführlich die Verwitterungsellipsoide ge-wisser Krystalle beschrieb; den Einfluß der Temperaturschwaukuugenauf Art und Größe dieser Grenzflächen lehrt uns eine schon 1895niedergeschriebene, aber erst 1899 aus dem Nachlasse des Autorsvon Groth herausgegebene Arbeit Sohnckes kennen. Die regel-mäßig gebildeten Korrosionsfignren, die durch Znsammenbringungeiner Krystallfläche mit einer Flüssigkeit entstehen, geben bis zu einemgewissen Grade Aufschluß über die Kohäsionsverhültnisse imInneren des Krystalles. Kalkspat und Dolomit z. B., chemisch nurdurch den stärkeren Zusatz von Bittererde im letzteren verschieden,stimmen in ihren krystallographischen Eigenschaften durchweg über-ein, aber ihre Ätzfiguren sind, wie Tschermak , der Herausgeberder seit 1878 erscheinenden ZeitschriftMineralogische und Petro-graphische Mitteilungen", dargethan hat, völlig verschieden. Übrigensist auch nach den eingehenden Untersuchungen von H. BaumhauerIgeb. 1848), der die Quarzkrystalle mit besonderem Eifer hieraufprüfte, die Natur des Ätzmittels keineswegs gleichgiltig, uud auchder zeitliche Fortschritt der Korrosion so drückt man sichgerne im Falle chemischer Zerstörung aus, während Korrasionbei den Geologen die Summe mechanischer Eingriffe des fließendenWassers bedeutet hängt von verschiedenen Umständen ab.Spring fand z. B, daß längs derjenigen geraden Linie, welchezur optischen Achse senkrecht steht, der Prozeß am schnellsten fort-schreitet. Um diese Verhältnisse bequem übersehen zu könueu, gab1865 L. Lavizzari (18141875), der Begründer einer exakteumineralogisch - geognostischen Durchforschung seines HeimatkantonsTessin, den Rat, ans dem Krystalle eine Kugel auszuschneiden, diesein das Lösuugsmittel zu bringen und nach einiger Zeit die Deforma-tionen festzustellen, welche die anfänglich sphärische Fläche erlitten hat.Es zeigt sich uach A. G. Gill, daß nicht nur das optische, sondernauch das elektrische Verhalten des Krystalles für die Veränderungen,welche der Ätzvorgang mit sich bringt, einigermaßen maßgebend ist.

Wir hatten in Abschnitt VII davon Akt zu nehmen, daßHauys Vorrang vor Rome Delisle wesentlich in des ersteren

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 49