802 XXI. Der Eintritt der wissenschaftlichen Erdkunde in die Naturwissenschaften,
Geologe, Zoologe, Botaniker oder Physiker sein, mit dem größtenNutzen zu Rate gezogen wird. Eine Reihe anderer Werke vonähnlicher, nur minder weit ausgreifender Tendenz, aus denenwiederum der Geograph reiche Belehrung schöpfen kann, hat schonwiederholt in früheren Abschnitten Erwähnung gefunden, wie z.B.H. I. Kleins „Jahrbuch für Astronomie und Geophysik", sowiedie „Fortschritte der Physik", deren dritte Abteilung ausschließlichsolchen Dingen gewidmet ist, die für den Geographen und für denPhysiker gleiches Interesse besitzen.
Das reißend schnell erfolgte Wachstum der Geographie, welcheswir vorstehend mittelst einiger markanter Züge übersichtlich zuschildern suchten, hat verschiedene Ursachen gehabt, und nicht dieunwichtigste unter diesen war die für das 19. Jahrhundert charak-teristische Erweiterung des geographischen Horizontes, mitwelcher sich für viele Völker, auch für solche, die bis dahin solcheNeigungen nicht an den Tag gelegt hatten, die Erwerbung über-seeischer Besitzungen verknüpfte. Seit deu großen Jahren derportugiesisch-spanischen Conauista war kein analoger Fortschrittmehr zu verzeichnen gewesen; Asrika, Asien, Amerika sind denmodernen Geographen heute ziemlich ebenso genau bekannt, wie esihren Genossen vor hundert Jahren die entlegeneren Teile Enropasgewesen waren, und nur im inneren Australien und in den beidenPolarzonen harren noch weit ausgedehnte Territorien der Erschließung,so daß mithin dem anbrechenden Jahrhundert im großen undganzen mehr die Pflicht genauerer Kenntnisnahme, alsdiejenige erster Erforschung zuzufallen scheint, eine Pflicht, znderen Erfüllung zn allererst umfassendste Anleihen bei den verschie-densten Naturwissenschaften gemacht werden müssen. Allein auchdie letzteren hinwiederum zogen und ziehen unmittelbarsten Nutzenaus deu großen Forschungsreisen, und es kann im Einzelsache dem,der auf diesen hochwichtigen, wechselseitigen Befruchtnngsprozcßzweier Wissensgebiete sein Augenmerk richtet, zweifelhaft vorkommen,wo gerade mehr gegeben oder mehr empfangen worden ist. Es kannja keinem Zweifel unterliegen, daß in erster Reihe die biologischenDisziplinen ihren Nutzen aus dem Einblicke in eine fremde Weltgezogen haben, die sich mit jeder Expedition eröffnete, aber es kam