808 XXI. Der Eintritt der wissenschaftlichen Erdkunde in die Naturwissenschaften,
von seiner zweiten Eisfahrt glücklich zurückgekehrt, auf der Ver-sammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zn Graz (1875) denGedanken entwickelte, von den kostspieligen Vorstoßen gegen denNordpol abzusehen und dafür die Polarzone mit einem Gürtelwissenschaftlicher Stationen zu umziehen, deren Beobachtungen,plangemäß durchgeführt, uns über viele Fragen, die die bisherigehastende Durchjagnng weiter Erdräume habe ungeklärt lassenmüssen, Aufschluß zu liefern geeignet sei. Die Anregung des er-fahrenen Forschers fand eine beifällige Ausnahme; mehrere inter-nationale Polarkonserenzen — besonders 1881 in St. Peters-burg — haben die Einzelheiten für eine solche wissenschaftlicheBelagerung der Polarseste normiert, uud nachdem sich die einzelnenStaaten über die ihnen zufallenden Ortlichkeiten verständigt hatten,wurden die Beobachtungsplätze — von Deutschland im Kingna-Fjord, von Österreich-Ungarn auf Jau Mähen u. s. w. — ein-gerichtet, und der Gewiun aus dieser geistigen Hinterlassenschastdes frühzeitig weggerafften Weyp recht ist ein sehr beträchtlichergewesen. Immerhin rastete aber auch der alte Drang nach demhöchsten Norden nicht, und in allerneuester Zeit ist man, wie alleWelt weiß, dem Ziele wieder einen gnten Schritt näher gekommendurch die Großthat des Norwegers Fritjof Nansen (geb. 1861),der, einer von ihm theoretisch erschlossenen Dristströmung von Ostnach West folgend, das Nördliche Eismeer auf ganz neuem, vielweiter Pölwärts gelegenem Wege durchschnitt (1893—1896) nnd,indem er sein wackeres Expeditionsschiff „Fram" zuletzt verließ,zusammeu mit F. I. Johansen (geb. 1867) denjenigen Punkt er-reichte, der sich dem Pole am nächsten befand (unter 86° 15'n. Br.)Im Sommer 1900 wurde allerdings diefer „Reeord" wieder durchdeu Italiener U. Cagni überholt, der den Herzog der Abruzzenauf seiner Entdeckungsfahrt begleitete und noch einige dreißigKilometer nördlicher als Nansen mit wenigen Begleitern vor-gedrungen zu sein scheint. Hingegen mußte, wie schon Ab-schnitt XV ausführte, das allzu vermessene Unternehmen desschwedischen Ingenieurs Andree, mittelst Luftballons denNordpol zu überfliegen, notwendig scheitern. Es ist ja, an-gesichts der oben gekennzeichneten Fortschritte der aeronautischen