Palciontologischc Merkwürdigkeiten.
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diesem Sinne näher getreten, nachdem R. Owen (1804—1892)durch seine Betrachtung der Zähne als eines bestimmenden Fak-tors die Systematik auf eine neue Bahn gebracht hatte. An dasGebiß, wie auch uicht minder an das ganze innere Skelett, knüpstauch die Kinetogenese von E. D. Cope (1840—1897) an, dessenAbsicht zunächst darauf gerichtet ist, deu Einfluß der umgebendenUmstände — Klima, Lebensweise u. s. w. — auf die Gestaltungdes tierischen Körpers zu erkennen. In anderer Weise hat dergroße englische Philosoph Herbert Spencer (geb. 1320) diesensekundären Einwirkungen eine erhöhte Beachtung zu vindizierengesucht und ist dadurch teilweise auf dieselben Erwägungen geführtmorden, denen bereits früher (1868) M. Wagner in seiner Mi-grationstheorie einen beredten Ausdruck verliehen hatte. Werdie hier kurz skizzierte Richtung der Paläontologie im Auge behält,wird das Interesse begreiflich finden, das solche Tierformen, die manals Kollektivtypen bezeichnet, und in denen sich Züge verschiedenerFamilien, Ordnungen, Klassen zusammenfinden, hervorrufen. Unterihnen erregte jedenfalls das größte Aufsehen der viel berufeneArchäopteryx (Urvogel), von dem bisher nur zwei Exemplare, undzwar beide Male im Lithographenschiefer von Solnhofen (Mittel-franken) aufgefunden worden sind, nämlich 1860 und 1877 durchden im Anfsuchen seltener Versteinerungen überaus geschicktenSteinbruchbeamten Heberlein. Zuerst glaubte A. Wagner (1797bis 1861) ein mit Federn versehenes Reptil vor sich zu haben,aber eine noch tiefer gehende Untersuchung von Owen (1863)machte die Bogelnatur des seltsamen Geschöpfes höchst wahrscheinlich,und als W. Dames (1843—1899) das zweite, nach Berlin ge-kommene Exemplar in ähnlicher Weise allseitig prüfte (1884), wurdediese Thatsache über allen Zweifel erhoben.
Die Versteinernngskunde der Pflanzen hat in der uns hier be-schäftigenden Jahrhunderthälfte, neben dem Österreicher K. v. Ettings -Hausen (1826—1879) und dem britischen Liasforscher W. C. Wil -liamson, ihre beiden bedeutendsten Repräsentanten in Schimperund Schenk gehabt. Letzterer war auch unter seineil engeren Fach-genossen der entschiedenste Deszendenzthevretiker. Die Tertiür-flora war das Arbeitsgebiet von A. Braun, A. Massalongo,