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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Die Alpengevlogie in mvdenier Ausfassuug.

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Versuche ein zweiter folgte, der insofern leichter war, als maninzwischen über sehr viele Dinge klarer zu urteilen gelernt hatte,insofern aber auch recht viel schwerer, weil diesmal eine unver-hältnismäßig größere Menge von Einzelheiten richtig unterzubringenwar. Dieser zweite meridionale Alpenquerdurchschuitt hat A. Roth-pletz zum Autor. Um aus die Sturm- und Drangperiode derAlpengeologie zurückzukommen, betonen wir nochmals, und zwarunter ganz anderem Gesichtspunkte, das Jahr 1857. Damalskamen nämlich österreichische, deutsche und schweizerische Gelehrte»verein, die Vorarlberger Alpen, mit deren Spezialaufnahmev. Richthofen betraut war, eiuer gemeinschaftlichen Besichtigungzu unterziehen, und deren Ergebnis, welches A. v. Pichler (1819 bis1900) für Nordtirol in den großen Zügen bestätigt fand, gestatteteeine weitere Identifizierung der mitteldeutschen nnd der alpinen Trias.Die an Reichtum und feiner Detailentwicklung ihrer Fauna unüber-troffeueu St. Cassianer Schichten begannen nunmehr in denVordergrund zn treten. Den damals erreichten Umfang des Wissensüber die in Rede stehenden Probleme charakterisiert eine nochjetzt als Quelle ersten Ranges zu betrachtende Monographiev. Richthosens (Geognostische Beschreibung der Umgegend vonPredazzo, St. Cassian uud der Seißer Alp", Gotha 1860), derauch für die im Permzeitalter erstarrten Porphyr- und Melaphyr-bildnngen eine autoritative Bedeutung zukommt. Die Bayerischennnd Salzburger Alpeu waren bis dahin noch etwas seitwärts liegengeblieben, aber seit 1861 drangen v. Gümbels Ausstellungen inweitere Kreise, und zwar wurden die dem Salzachthale ungehörigenWerfener Schichten als Bnntsaudstein, die vberösterreichischenGnttensteiner Schichten als Muschelkalk und endlich die schonangeführten Raibler Schichten als Keuper angesprochen. VonEinzelkorrekturen abgesehen, hat sich diese Gliederung bis zurGegenwart behauptet. Um die Mitte der sechziger Jahre erwachte,hauptsächlich durch v. Mojsisovies und G. K. Laube (geb. 1839)angeregt, ein neues Leben, doch hat sich nicht alles, was ins-besondere der Erstgenannte an neuen Thatsachen zn schaffen ge-glaubt hatte, aufrecht erhalteil lassen, und vor allem hat über dieBerechtigung einer norischen und jnvavischen Provinz die