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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XXII. Die Geolvgie der neuesten Zeit.

Kontroverse bis in unsere Tage angehalten; sie wurde nicht seltenmit einer Bitterkeit geführt, die nicht angebracht ist, wenn jede derstreitenden Parteien davon überzeugt sein muß, daß es auch deranderen schließlich doch nur um die Wahrheit, und nicht umpersönliche Rechthaberei, zu thun sein kann. Aber wenn man nurdie Summe aus dieser Fülle redlichster Arbeit zieht und übersieht,daß einzelne Fragen noch ungelöst dem 20. Jahrhundert über-antwortet werden, so muß man doch sagen: Die alte Streit-frage nach Alter, Natur uud Paläontologischer Zuge-hörigkeit der einzelnen Abteilungen der Hochgebirgstriasist in den wesentlichen Punkten gelöst. Auch für die durchganz besonders schwierige tektonische Umbildnngen kompliziert ge-wordenen Lagerungsverhältuisse der bayerischen Nordalpen ist durchA. Rothpletz, S. v. Woehrmaun, E. Fraas, N. Schaefer,Haushofer u. n. der Schleier fast allenthalben gelüftet worden,und die Gebiete, innerhalb deren noch völlige Unsicherheit herrscht,sind jedenfalls nur noch in einer ganz geringen Anzahl vor-handen.

Wir wissen, daß Greßly, v. Buch und Quenstedt dieJuraformation nnd deren Zerfällung in die bekannten drei EtagenLias, Dogger nnd Malm, von unten her gerechnet, zur allgemeinenAnerkennung gebracht hatten. Die zehn Stufen, welche 1855D'Orbigny aufstellte, und welche in der Mehrzahl der Fällean örtliche britische VorkommnisseOxfordien",Port-ion dien" u. s. w. anknüpften, haben sich Geltung verschafft.Die noch einigermaßen schwankende Bezeichnung der Stockwerkefixierte in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre A. Oppel (1831bis 1865), der sich im übrigen der Terminologie D'Orbignysbediente und nur gewisse Bildungen, für welche der französischeForscher eine Altersdifferenz angenommen hatte, als gleichzeitignnd lediglich in der Fazies verschieden erklärte. Im ganzen ziehtOppel 32 Horizonte durch die Juraformation; Neumayr undW. H. Waagen (18411899) traten in die Fußstapfen ihresLehrers nnd übertrugen dessen Zonen auch auf Länder, in denenneue jurassische Bildungen aufgefunden worden waren. VonNeumayr haben wir auch (1885) eine hervorragend tüchtige