Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
839
Einzelbild herunterladen
 

Jura- und Krcidcfvnuatwu,

839

Leistung auf dem Gebiete der Paläogevgraphie erhalten, indem der-selbe eine Karte publizierte, welche die Verteilung des festen undflüssigen Elementes für das Jurazeitalter ersichtlich macht, uuddieser trotz aller seitdem gemachten Einwendungen unstreitig höchstgelungene Versuch gewährte auch die Möglichkeit, einen Einblickin die Anordnung der tellurischen Klimagürtel für jeneEpoche thun zu können. Bemerkt sei, daß neuerdings vieleGeologeu die Liasbildungen selbständig erfassen uud nicht mehrdem eigentlichen Jura zugezählt wisfeu wolleu. Auch die obereGrenze des letzteren schieu durch Oppels Einschiebung (1865) desTithons zwischen Jnra nnd Kreide flüssig werden zu wollen,allein verschiedene neuere Paläontologen, vorab v. Zittel, betrachtenden Tithon als das oberste Glied des Jura und als zeitlichesÄquivalent der vvu russischen Forschern wahrgenommenen Wolga -stufe. Damit sind wir also schon hart an die unterste Kreidestufc,an das nach der lateinischen Benennung der schweizerischen StadtNeuenburg so bezeichnete Neokom, herangekommen, mclchesI. Ewald vou dem unmittelbar darüber liegenden Ganlt zutrennen lehrte. In den fünfziger Jahren legten die Franzosen E. Hebert (18121890) und H. Coquand (18131881), dieallerdings unter sich wenig einig waren, den Grund zur Differen-zierung der mittleren nnd oberen kretazischen Bildungen, undHeberts vier Glieder Cenoman (Le Mans), Turon (Tours),Senou (Sens), däuische Stufe haben sich Bürgerrecht in derWissenschaft verschafft. Eine rätselhafte, mächtige Gesteinsschichtder Nordalpen, nach schweizerischem Vorgange als Flysch bekannt,scheint neueren Untersuchungen znsolge gleichfalls als ein oberesKreideglied von sehr ungewöhnlicher Fazies angesehen werden zumüssen.

Welche Verdienste sich Ch. Lyell um das Tertiär durch dieEiuteilung iu Eo-, Mio- und Pliocän erworben, steht uns in guterErinnerung; was er sür England begonnen, setzte I. Prestwich(18121896) sort. P. Partsch und E. Sueß verfeinerten unsereKenntnis erheblich durch ihre Analyse der Miocanbilduugen desWiener Beckens, und gelang 1363, die teils aus dem Meere, teilsauch aus Süszwasser entstandenen Molassebildungeu der Schweiz