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XXII. Die Geolvgie der neilesten Zeit.
und des schwäbisch-bayerische» Alpenvorlandes ihrem relativenAlter nach scharf zu bestimmen. Die tertiäre Konchylienfaunawurde durch die trefflichen Arbeiten von F. Sandberger undH. C. Weinkauff so gründlich untersucht, daß sie brauchbareLeitfossilien für die einzelnen Tertiärhorizonte zn liefern vermochte.Bor allem aber hat die neue Gruppe des Oligocän, welcheBeyrich in L. v. Bnchs Todesjahre über das Eocän setzte, dieEinteilung wesentlich erleichtert,' F. Sandberger, Hebert,v. Koeneu, E. Sueß u. a. haben mitgearbeitet, und v. Zittelhebt ausdrücklich hervor, daß der ungeheure Stoff, der seit etwazwanzig Jahren durch das Aufsuche» tertiärer Versteinerungen inden verschiedensten Ländern des Erdenruuds angehäuft worden ist,noch in keiner Weise dazn veranlaßt habe, von der feststehendenGliederung des Tertiärs uach vier Etagen abzugehen, wenn esgleich den Anschein gewinne, als solle die Ausdehnung dieserSystematik ans Amerika einige Abänderungen notwendig machen.
Als obere Abteilung des Phillipsschen Känozoiknms kenntman seit C. A. v. Mvrlot (1820 — 1867), der im Jahre 1854diese Nomenklatur in Vorschlag brachte, das Quartenär, wofürBronn besser Quartar setzte. Dasselbe zerfällt in Diluvium — nach Bnckland — oder Plistvcän — nach Lyell — undin Alluvium. So lauge alluviale Bildungen entstehen, so langegiebt es unter allen Umständen Menschen ans der Erde, so daßmithin die Prähistorische Periode, deren nähere Betrachtungvon unserer Aufgabe ausgeschlossen ist, mit einem überwiegendenTeile der 'Alluvialperiode sich zeitlich deckt. Seitdem es bei dergroßen Mehrzahl der Sachverständige» feststeht, daß jene gigan-tischen Fluten, die »ach der Meinuug der v. Buchschen Schuledie großen Geschiebemassen vom Gebirge in die Ebene hinaus-geflvßt haben sollte», uur ganz ausuahmsweise wirklich stattgefundenhaben konueu, ist das Wort Diluvium mit Glazialbildungenidentisch geworden, nnd diese letzteren fallen der terrestrischenMorphologie zu, mit deren moderner Entwicklungsgeschichte sich diedritte und letzte Abteilung dieses Abschnittes zu beschäftigen hat.
Diese Aufgabe ist dem Historiker ungemein viel leichter, als siees noch vvr wenigen Jahren gewesen wäre, durch das große und