Die Erdbebenkunde im Lichte der Neuzeit.
853
und als teilweise unvulkanische Bildungen erklärt hat, die letztenÜberreste dereinstiger vulkanischer Thätigkeit. Sehr belehrend sindnach dieser Seite hin H. Bückings im Jahre 1888 auf Celebes in einem weiten Distrikte erlöschender Aktion gemachte Erfahrungen.
Den für die erste Hälfte des Jahrhunderts charakteristischenintimen Zusammenhang zwischen Vulkanen und Erdbeben hat dieFolgezeit nicht mehr anerkannt; nur in einzelnen litterarischenErscheinungen wird der älteren Humboldt-Buchschen Lehre, daßdie Vulkane die Sicherheitsventile der Erde seien und durchihre Verstopfung Erderschütterung hervorriefen, noch das Wortgeredet. Der eifrigste Verfechter der Jdentitütstheorie war und istder bekannte Rndolf Falb (geb. 1838), der geistige NachfolgerPerreys (Abschnitt X); ihm zufolge wogt unterhalb einer ziemlichdünnen Gesteinsschale des Erdballes ein Ozean ^feurig-flüssigerMasse, der durch die Himmelskörper zu"gezeitenartigen Bewegungengezwungen wird und dann, je nach Umständen, den Austritt durchVulkanspalten erzwingt oder aber das Felsgerüste erschüttert. Sowenig geleugnet werden soll, daß Falbs frühere Publikationen,zumal die „Grundzüge zu einer Theorie der Erdbeben und Vulkan-ausbrüche" (Graz 1880), den Eindruck ernsten Strebens nach derWahrheit erwecken, ebensowenig ist in Abrede zu stellen, daß dieserAutor, indem er weite Volkskreise gewissermaßen zum Richter innnssenschaftlichen Streitigkeiten aufrief, den Weg exakter Wissen-schaft, wie wir dies insbesondere noch im meteorologischen Abschnittesehen werden, ganz und 'gar verlassen hat. Dem gegenüber darffreudig konstatiert werden, daß während der letzten Jahrzehnte sehrviel geschehen ist, um eine rationelle Erdbebenkunde oder Seis-mologie ins Leben zn rufen, und das Handbuch, welches R. Hoernesin Graz dieser jungen Disziplin (1893) gewidmet hat, zeigt unsrecht deutlich, daß man seit dem Erscheinen des eine ähnliche Ten-denz verfolgenden Werkes von Mallet (1857) doch um ein tüch-tiges Stück vorwärts gekommen ist; auch de Rossis (AbschnittXV)geistvolle „NstöorczIoAia, sncloZsng," (Mailand 1879—1882) ver-dient hier ehrende Erwähnung, obschon das dieselbe durchziehendeund auch in der Titelwahl sich aussprechende Bestreben, Vorgängedes Luftkreises zu solchen unterhalb des Erdbodens in Kausal -