Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
856
Einzelbild herunterladen
 

856

XXII. Die Geologie der neuesten Zeit.

Göttingen begründete Observatorium für Geophysik bedient sicheiner von seinem Leiter E. Wiechert vorgeschlagenen Abänderung,Statt der bifilaren Aufhängung empfiehlt Aug. Schmidt (1900)eine trifilare zu Messungen der Schwere und der stetigenoder plötzlichen Modifikationen des Schwerezustandes. InHohenheim bei Stuttgart hat K. Mack eiue Beobachtungsstationgegründet, auf welcher die verschiedenen Modelle kritischer Prüfungunterstellt werden. Den seltensten Fleiß verwandte v. Rebeur-Paschwitz darauf, mit Hilfe des uns aus Abschnitt III erinner-lichen analytischen Werkzeuges der trigonometrischen Reihen ausden von dem Zeichenstifte des Horizontalpendels dargestellten Kurvendie verschiedenen Elemente zu sondern, welche bei der Versetzungdes Untergrundes in Schwingungen irgendwie mitwirken, so daßsogar die periodischen Einflüsse der wechselnden Anziehung vonSonne und Mond erkannt werden konnten.

Haben so die Beobachtungen brauchbare Daten ergeben, sogeht der Seismologe daran, ein graphisches Bild des Vor-ganges herzustellen. Vielleicht von einer szufälligen Bemerkungv. Buchs angeregt, hatte P. N. C. Egen (17931849) schon1828 den Verlauf einer Erderschütterung auf der Karte verfolgt,und Maltet, v. Seebach, v. Lasaulx, Hopkins zeigten, wieman, den 'stärkst erschütterten Punkt der Oberfläche, das Epi-zentrum, festhaltend durch Verzeichnung der HomoseistenKurven synchronen Erschütterungsbeginnes und JsoseistenKurven gleich starker Erschütterung sowohl die Zentrums-tiese, wie auch die Fortpflanzungsgeschwindigkeit derStoßwelle angenähert ermitteln könne; die Jsoseisten zu kon-struieren, erweist sich die von Forel in Aufnahme gebrachteSkale der seismischen Stoßgrade als nützlich. Den mathe-matischen Teil des Problemes förderten Aug. Schmidt (1890),G. Maas (1895)^, v. Koevesligethy (1895); neuerdings ge-währen auch des polnischen Mathematikers M P. Rudzki Studienüber Wellenfortleitung in Gesteinen eine aussichtsreiche Per-spektive. Des ungarischen Geophysikers Resultate sind besondersinsofern interessant, als aus ihnen folgen würde, daß Erdbeben-wirkungen, deren Zentralgebiet von Zentralpunkten kann kaum