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XXII. Die Geologie der neuesten Zeit.
Dünung bekannten Form der Meereswellen zur Seite stellenließe. Die mikro seismischen Erzitterungen („Irsmors" derEngländer), die J. Milne mit seinem automatischen Pulsations-messer, v. Rebeur-Paschwitz und I. Kortazzi mit demHorizontalpendel zu verfolgen gelehrt haben, faßt man nicht alseine rein seismische, sondern als eine zum Teile auch meteoro-logische Erscheinung auf; G. H. Darwins Rechnungen belehrtenuns, daß Luftdruckveränderungen meßbare Niveannngleichheiteudes Festbodens in ihrem Gefolge haben.
Auch auf hoher See werden seismische Gleichgewichtsstörungennicht selten beobachtet, und E. Rndolphs umsichtige Nachforschungen(1887 und 1898) haben nns mit einem reichen Materials bezüg-lich der Seebeben und submarinen Bulkauausbrüche ver-traut gemacht. Die neuere Seismologie unterscheidet jedoch vonden eigentlichen Seebeben scharf die bei litoraler Lage des Epi-zentrums sich einstelleudeu Erdbebenfluten, über deren Art nndVerbreitung namentlich v. Hochstetter und F. E. Geinitz (geb. 1854)ausgedehnte Untersuchungen gepflogen haben; teilweise auch in derAbsicht, aus der Zeit, welche die seismische Woge zur Durchlaufungeiner bestimmten Meeresstrecke benötigte, die mittlere Meeres-tiefe näheruugsweise zu berechnen. Der merkwürdigste aller bisjetzt beobachteten Fälle über Wellenfortpflanznng dnrchWasser und Luft fällt in das Jahr 1883, als die kleine InselKrakatau in der Sunda-Straße durch jähe Explosion des aufihr gelegenen Vulkanberges fast vollständig vernichtet wurde. Einaus gewiegten britischen Fachleuten bestehender Ausschuß veröffent-lichte .hierüber (London 1888) einen von G. I. Symons (geb.1838) redigierten Gesamtbericht, und die hart betroffene nieder-ländische Kolonialregiernng beauftragte den Ingenieur Verbeekmit der Abfassung eines offiziellen Werkes (Batavia 1884—1885),aus dem hervorgeht, daß seit Menschengedenken kein ähnlicherKraftausbruch der Natur die Erde in Schrecken gesetzt hatteHöchstens ^läßt sich damit vergleichen die mesopotamische —Noachische — Erdbebenflut, von welcher ueben der Bibel auchdas in Keilschrist auf uns gekommene „Jzdubar-Epos" erzählt, unddessen auslösende Ursachen E. Sueß in der geistvollen Einleitung