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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Tektonische Probleine.

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zu seinein grvßen, geodynamischen Werke auszumitteln unter-nommen hat.

Tektonische Erdbeben können nicht ausbleiben bei jedem Ge-birgsbildnngsakte. Wir erfuhren im zehnten Abschnitte, daßsich in den vierziger Jahren bezüglich dieses Aktes eine ganz neueAnschauung zu regen begann, indem man die Austürmnng derErdgebirge nicht mehr, wie zuvor sast allgemein, mit einerdirekten Hebung, sondern mit einem durch Einschrumpfungder kleiner werdenden Erdkugel bedingten Seitenschubeiu Verbindung brachte. Hopkins als Theoretiker, Dana,A. Favre (Abschnitt X), Mallet u. a. als geologische Beobachterneigten dieser Ansicht zu, und es wäre unbillig, zu verkennen, daßauch die Deutschen W.P. Schimper und V o lg er unter den Vor-kämpfern dieser Koutraktionstheorie einen Platz verdienen.E. Sueß begründete 1875 durch seineEntstehung der Alpen "eine neue Epoche des Fortschrittes, und nicht lange nachher erschienauf dem Plane der jugendliche Forscher Albert Heim , dessenin deu Glarner Gebirgen Tödi und Windgälle erworbeneAntopsie ihn zu einer für Geologen und Physiker gleich bedeutungs-vollen Leistung (Untersuchungen über den Mechanismus der Ge-birgsbildung", Basel 1878) befähigte. Gewiß ist von diesem Werkenicht jede Einzelheit aufrechtzuerhalten, und es mag dahingestelltbleiben, ob die Heimsche Dentung der berühmten GlarnerDoppelfalte als einer abnormen Schichtenbiegung aufrecht-erhalten werden kann, oder ob mit Rothpletz (GeotektonischeProbleme", Stuttgart 1894) auf eiuen U^berschiebungsprozeßzurückgegriffen werden muß. Daß die Faltung, wenn sich diedamals noch stark belasteten Schichten in dem von Heim voraus-gesetzten latent-plastischen Zustande befanden, so vor sich gehenkonnte, wie dieser behauptet, ist kaum zu bezweifeln. Auch Sueßtritt dieseu Ausführungen bei, indem er noch das Vorkommentangentialer Krustenbeweguugen als den eigentlichen Normal-fall hinstellt, während Andere, um die Erscheinungen der Ver-werfung, desStaffelbruches, derHorst-und Grabenbildungverständlich machen zu können, auch radiale Verschiebungenhinzunehmen zu müssest glauben. Eine konsequente Nomenklatur