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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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XXII. Die Geologie der neuesten Zeit.

der tektonischen Schichtendislokationen wurde von Heim und Sneßausgebildet und in einem von ersterem und E. De Margeriegemeinschaftlich herausgegebenen Werke (Zürich 1888) niedergelegt.Die Experimentalgeologie, von F. Pfaff, E. Reyer und(Abschnitt XX) vor allem von Danbree-Gurlt gerade fürsolche Zwecke eifrig ausgebildet, hat gar manche Bestätigung derSchrnmpfungslehre geliefert, indem z. B. Versteinerungen, dieman starkem Lateraldruckc aussetzte, in ganz dieselben Defor-mationen gebracht werden konnten, welche man wahrnimmt,wenn man Fossilien, zumal Belemniten, stärker gefalteten undgequetschten Felsbänken entnimmt. Sueß' großes Werk hatauch der Erdkunde ganz neue Perspektiven eröffnet, indemdurch dasselbe Zusammenhänge zwischen auseinanderliegenden Kettengebirgen Apenninen, Schweizer Jura ,Alpen , Karpathen, Kaukasus, Nordindischer Bogen hergestelltwurdeu, deren sich zuvor kaum je ein Geograph bewußt ge-worden war.

Auch andere Gedanken über die Entstehung der Gebirge sind inneuerer Zeit zahlreich in die Öffentlichkeit gedrungen. Eine eigentüm-liche Gleitungstheorie besitzt man von E. Reyer (TheoretischeGeologie", Stuttgart 1888); eine durch Druck und innere Wärmebewirkte Schichtauftreibung wollen Th. M. Reade (geb. 1832)und, wenigstens innerhalb gewisser Grenzen, auch De Lapparent als gebirgsbildende Ursache anerkannt wissen. Aus Gewölben vonverschiedenem Radius denkt sich A. Rothpletz die Erdrindezusammengesetzt, und an der Berührungsstelle je zweier solcherKuppeln sollen Spannungen herrschen, die 'sich in Faltungenumzusetzen vermögen. Unter den Amerikanern'erwarb sich vieleFreunde die isostatische Theorie (1892) von Dutton, ^durchK. Fntterers Erläuterungen auch bei uns bekannter ge-worden: sie geht von der Hypothese aus, daß die Erdober-fläche ^in der Hauptsache eine Gleichgewichtsfläche sein muß,und' deshalb entspricht einer Sedimentanhäufung stets "anderwärtseine Bodensenkuug. Eine kritische ^Prüfung ^dieser sämtlichenAnschauungen faßt A. Phil-ippson dahin zusammen, daßnoch lange nicht das letzte Wort gesprochen, die Schrumpfungs-