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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Bergstürze? Höhlen; Karstgcbildc.

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Gegenstand voll erschöpfende Abhandlung widmete, und die Ufer-rutschungen, bezüglich deren das von A. Heim (1887) nachdemtraurigen Verschwinden einer ganzen Vorstadt von Zug im dortigenSee erstattete Gutachten dauernden Wert behalten wird. Häufigernoch und zumeist gefährlicher sind die sowohl dem Mittel- wieauch dem Hochgebirge eigenen Bergschlipfe und Bergstürze,deren Theorie Nothpletz, Heim und Pollak zum Objekte viel-fach übereinstimmender, teilweise aber auch auseinandergehenderUntersuchungen gemacht haben. Erosive Thätigkeit ist anch bei derEntstehung der Höhlen fast allein die maßgebende Ursache, obschontektonisch entstandene und Überdeckungshöhlen nicht gänzlichausgeschlossen sind. Durch zahlreiche größere und kleinere Ver-öffentlichungen, unter denen besonders zwei systematische Lehrbücherdieser neuen Disziplin (Paris 1890 und 1899; Wien 1894)bemerkenswert erscheinen, haben E. A. Martel und F. Kraus eineselbständige Höhlenkunde oder Speläologie begründet, welcherdie von dem französischen Forscher geschickt geleitete ZeitschriftSpkluneg," als Organ dient. Auch die Spezialität der Tropf-steingrotten Fränkische Schweiz , Adelsberg, St. Kanzian -hat ihre Liebhaber gefunden, und es verdient registriert zu werden,daß die noch von dem unermüdlichen Höhlenwanderer A Schmidl(18021863) festgehaltene Ansicht, zur Bildung größerer Sta-laktiten oder Stalagmiten seieu ungeheureZeiträume erforderlich,von F. Adami vollständig widerlegt worden ist. Als besondershöhlenreiche Gebiete sind alle verkarsteten Länder bekannt. Manweiß jetzt, daß Karsterscheinungen Höhlen, trichterförmigeErdfälle oder Dolinen, unterirdische Flüsse, blinde Thäler,periodischer Zu- uud Abfluß von Wasser durch sogenanute Ponore in jedem geologischen Zeitalter, wenn nur poröser Kalksteinansteht, vorkommen können. Einläßlich beschäftigten sich mit dengenetischen Verhältnissen der Verkarstung F. Kraus, Makowsky,Reyer, Tietze, v. Mojsisovics, E. Richter u. a., und I. Cvijio,als Serbe von Hause aus den Karstgebilden nahestehend, legte ineiner umfassenden Monographie (Das Karstphänomen", Wien 1893)die Ergebnisse mehrjähriger Terrain- und Litteraturstudien nieder.Die Morphologie hat namentlich Notiz zu nehmen von der neuen