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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XXII. Die Geologie der neuesten Zeit.

Asien die Landoberfläche in ihren natürlichen Formen geradezuverhüllen, die zerstörende und konstrnktive Aktion der be-wegten Luft richtiger beurteilen, nnd damit stand in engsterWechselbeziehung dieErgründnng derdieWüstenbildung regelndenVerhältnisse. I. Walther, K. Schirmer, H. Reiter, K.A.v.Zittel,Krasnow , Muschketow und viele andere beschrieben uns diewichtigsten tellurischen Wüstengebiete, und so emanzipierte mansich von dem hergebrachten Begriffe der Wüste als einer trostlos-monotonen Sandfläche nnd sah, wie sich dieselbe als Sand-, Kies-,Stein- und Lehmwüste dem Ange darstellen kann. Ob auch dieGletschererosion einen kräftigen Faktor der Oberflächenbildungabgäbe, darüber sind noch jetzt die Akten nicht geschlossen. Allseitigwird zugegeben, daß das Gletscherbett durch das darüber hinziehende,mit eingebackenen Festkörpern versetzte Eis abgenützt, geschrammt,aufgearbeitet wird, zumal da nach den Versuchen von Blümckeund Finsterwalder (1890) eine sehr starke, durch die großeKälte hervorgerufene Verwitterung die Auflösung und Ab-splitterung des Gesteines vorbereitet. In beschränktem Umfangehalten eine glaziale Erosion z.B. Zoeppritz, Heim, R.A.Baltzer(geb. 1842), Salomon für möglich, wogegen Penck, W. M. Davis,A. v. Boehm n. a. die zerstörende Wirkung zumal der mächtigen,eiszeitlichen Alpengletscher weit höher einschätzen. Immerhin wirdmit einer eigentlichen Ausfurchung oder Auspflüg ung vonLängsthälern und Seebecken, wie sich dies A. C. Ramsay nndI. Tyndall in den siebziger Jahren zurechtgelegt hatten, höchstensbedingt gerechnet.

Wirkungen der Erosion und der mit ihr in der übergroßenMehrzahl aller Fälle sich paarenden Denudation erkeuut derGeologe auf Schritt und Tritt. Für die approximative Bestim-mung der Denndationsbeträge haben G. Karsten, Heim, Penck,Forel, E. Brückner u. a. Regeln gegeben. Die gewaltsameDenudation führt zu katastrophalen Vorkommnissen, für derenGesamtheit Penck den glücklich gewählten Namen Massentrans-port vorgeschlageu hat. Dahin gehören die oberflächlichen Erd-fälle, über deren Modalitäten F. Sandberger (1880) sich ver-breitete, die Muhrbrüche, denen F. Frech (1898) eine den