Die neuere Glazialgeowgie,
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die Wasserscheiden richten, welche die ältere Erdkunde irrig aufdie höchsten Kämme der Gebirge verlegte. Erst v. Buch gab einezutreffende Begriffsbestimmung der „Wasserteiler", wie er sich aus-drückte; unser nwderues Wissen von dieser Sache stellt A. Phi-lippsons Schrift von 1886 übersichtlich vor Augen. Wenn durchirgendwelche Anläße ein Fluß seine Richtung ändert, so kommt es— nicht notwendig, aber auch nicht selten — zu einer Verlegungder Wasserscheiden. Eine geschichtliche Bearbeitung diesesbesonderen Teiles der allgemeinen Morphologie führt oft zu sehrinteressanten, auch rein historisch bedeutsamen Ergebnissen; dahingehört z. B. das viel erörterte Oxusproblem, an dessen LösungsichKonschin, Lochtin, v.Kaulbars, Glnchowsky,Muschketow,E. Blanc, Bogdanowitsch, R. v. Erckert und W. Komischkebeteiligt haben. Das Schlußurteil lautete dahin, daß der AmuDarja sich niemals, wie vielfach gemutmaßt worden war, in denKaspischen See ergosseu haben kann.
Der Abriß, welchen wir in Abschnitt X von der Entwicklungder tellurischen Morphologie gaben, endete mit der Begründungder Glazialgeologie durch Agassiz und Schimper; die neuerenund neuesten Geschicke dieses unerwartet rasch zu außerordentlicherSelbstäudigkeit gediehenen Zweiges der Wissenschaft sollen unsgleicherweise jetzt noch beschäftigen. Man fuhr mit dem Studiumder eine Moräne nlandschaft charakterisierenden Vorkommnisseeifrig fort, und da sich herausstellte, daß die schwäbisch-bayerischeHochebene sür diesen Zweck die allergünstigsten Bedingungen dar-bietet, so konzentrierte sich auch auf sie die allgemeinste Aufmerk-samkeit. Zu Denen, welche die eigenartigen Züge der Boden-beschaffenheit glazial deuteten, gehörten v. Gümbel, v. Zittel,Clessin u. a.; vor allem aber unterzog sich dieser Aufgabe mithingebendem Eiser der jugendliche Albrecht Penck, der zuvor schvudas norddeutsche Diluvium bei der Ausarbeitung der geologischenKarten von Sachsen kennen gelernt hatte und nunmehr in dem preis-gekrönten Werke „Die Vergletscherung der deutschen Alpen" (Leipzig 1882) die Gesamtheit der einschlägigen Lehren unter mannigfachneuen Gesichtspunkten znr Darstellung brachte. Eine für denLvkalforscher unentbehrliche Ergänzung bildet v. Ammons erwähnte
Günther, Anorganische Nliturwissenschasten. 55