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XXII. Die Geologie der neuesten Zeit.
„Gegend von München, geologisch geschildert" (München 1894).Bald reihten sich auch ans anderen Gegenden ähnliche Charakte-ristiken der Diluvialen Glazialresiduen an, großenteils ausgehendvon Gelehrten, deren schon im ersten, topographischen Teile diesesAbschnittes zu gedenken war. Wir nennen nur Heim, Brücknerund E. Du Pasauier sür die Nordschweiz; Penck, Früh undR. Sieger für die an Miniaturhügeln dieses — keltischen —Namens reiche Drumlinlandschaft des Bodenseegebietes;I. Partsch (geb. 1851) in zwei mustergültigen Monographien(Breslau 1892; Stuttgart 1894) für Sudeten und Riesengebirge;G.M.Berendt, Keilhack, F. Wahnschaffe, Noetling, H.Haasnnd E. Geinitz für die norddeutsche Ebene; v. Siemiradzki undNikitin für Rußland; I. Geikie für Großbritannien . Die vonF. M. Stapff und O. Lang noch mit Geschick vertretene Drift-theorie, welche das Verfrachten der Findlinge und Moränen-trümmer durch schwimmende und allmählich schmelzende Eisbergebesorgen läßt, mußte im letztvergangenen Dezennium endgültig derreinen Glazialtheorie, deren erster Vorkämpfer O. Torellwar, weichen. Pencks Nachweis, daß die Grundmoränen zuden Residuen einer Moränenlandschaft den quantitativ bedeutendstenBeitrag leisten, ist mit der Dristhypothese völlig unvereinbar.
Nächst dieser einschneidenden prinzipiellen Erkenntnis ist nocheine zweite als das Haupterträgnis der modernen Glazialforschungzu verzeichnen, nämlich dasjenige, daß die Eiszeit keine ein-heitliche war, daß sich vielmehr längere Jnterglazial-perioden zwischen die Zeiträume ausgedehntester Uber-eisung einschoben. Die britischen Untersuchungen I. Geikies(»llrs 6rsat les ^Aö g-nä its Ü,sliz,t>i0os to tlis ^ritihnit,^ ok Ug.ii",London 1874; 2. Auflage 1894) brachten diese Frage in raschenFluß, und Pencks Analyse der — bei Innsbruck gelegenen —Hoettinger Breccie bestätigten die Thatsache, daß man Gesteins-lagen mit fossilen Pflanzenresten, die auf ein verlMnismüßig sehrwarmes Klima hindeuten, mitten zwischen anderen Schichten antrifft,deren geschrammte nnd gekritzte Steintrümmer, deren Gletscher-schliffe zweifellos glazialen Ursprung verraten. Als so gut wiefeststehend kann eiue dreimalige Eiszeit gelten, deren Ablage-