Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Erdmeffung und Erdphystk in der zweitenHälfte des Jahrhunderts.
Wir haben die neuere Geschichte der höheren Geodäsie,deren Pflicht es ist, uns über die wahre Gestalt des Erd-körpers aufzuklären, bis gegen die Mitte des 19. Jahrhundertsfortgeführt. Man war schon ziemlich weit gekommen, hatte dieNotwendigkeit erkannt, Meridianmessuugen mit Längengrad-messungen zu verbinden und den rein geodätischen Opera-tionen auch stets Physikalische Beobachtungen parallel gehenzn lassen. Auch die Technik dieser schwierigen Prozeduren hattedurch die uns bekannten Arbeiten von Gnuß, Bessel und Baeyer ,sowie durch des Speierer Mathematikers F. M. Schwerd (Ab-schnitt IX) Werk „Die kleine Speierer Basis" (Speier 1322)ungemein gewonnen; aus letzterem ersah man, daß bei Aufbietunghoher Akribie auch von einer verhältuismäßig knrzeu Grundlinieaus sehr genaue Ergebnisse erzielt werden können. Einer unserergründlichsten Sachkenner, der bayerische General K. v. Orff (geb.1828), bemerkt in einer zur Orientierung über diese Fragen äußerstgeeigneten, akademischen Rede („Über die Hilfsmittel, Ziele undResultate der internationalen Erdmessuug", München 1899) vonSchwerds kühnem Unternehmen Folgendes: „Sein Versuch, die19,8 1cm lange Dreiecksseite Speier-Oggersheim durch Messung einerkleinen, nur 860 m langen Basis zn kontrollieren, fiel so günstigaus, daß sich Bessel veranlaßt sah, bei der 1834 unternommenen,