Die Struvesche Grndmessung,
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durch die Genauigkeit der Ausführung berühmt und mustergültiggewordenen Gradmessung in Ostpreußen sein geodätisches Netz aufdie nur 1822 m lange Königsberger Basis zu gründen." Sowertvoll übrigens alle diese mühsamen und methodisch fruchtbarenMessungen waren, so trat die ganze Angelegenheit doch erst dannin ein ganz neues Stadium ein, als W. v. Struve seine großerussische Dreieckskette in Angriff nahm, denn bis dahin waren dievermessenen Flächenrüume, verglichen mit der Erdoberfläche selber,so klein, daß aus ersteren auf Ungleichförmigsten der Erdgestalt,salls solche vorhanden sein sollten, kaum mit einiger Sicherheitgeschlossen werden konnte.
Der Meridianbogen, über dessen exakte Bestimmung derberühmte deutsch -russische Astronom in seiner 1860 erschienenenSchrift berichtete, hatte dagegen die stattliche Länge von 25° 10';er reichte vom nördlichen Eismeere bis zur Donau , und 45 Jahrewaren sür die Gesamtaufnahme erfordert worden, indem die Vor-arbeiten bereits 1810 begonnen worden waren, dann aber freilichdurch die kriegerischen Zeiten eine längere Unterbrechung erfahrenhatten. Im Jahre 1855 war die Feldarbeit beendigt, nnd nachweiteren fünf Jahren lagen die Resultate abgeschlossen vor. Anßer demChef und dem norwegischen Mathematiker Hansteen (Abschnitt VI)hatten noch Geueral C. v. Tenner und N. H. Selander (1804bis 1870) hervorragend mitgearbeitet. Diesem großen Werke stelltesich als im Prinzipe ebenbürtig zur Seite Maclears (Abschnitt V)Revision der älteren Gradmessungsarbeiten in Südafrika (,Vsri-lleation anä Lxtsnsion I^g, (!g,i1Iö8 ^.ro ok Nsriclian at ins <üg.pö ok6ooä Hops", London 1866); die schon früher gehegte Vermutung,daß es uicht augehe, die Süd- und Nordhälfte der Erde alszwei absolut kongruente Halbetlipsoide aufzufassen, sand ihre Bestä-tigung. Und man war inzwischen in die Lage gekommen, solchenThatsachen im Interesse einer umfassenden Gesamtanschanung dierichtige Seite abzugewinnen; dazu verhalf der Wissenschaft jenertreffliche Mann, den wir seinerzeit als Gehilfen Bessels dieArena betreten sahen, in welcher er so Hervorragendes leisten sollte.
General I. I. Baeyer stand bereits im 67. Jahre einesbewegten, ganz dein Vaterlande in den verschiedensten Bethätigung»-